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Ein Seifenopernprojekt des Jugendclubs

Presseberichte

Coburger Tageblatt, 7./ 8. Februar 2004

Seifenoper in der Reithalle

Jugendclub des Landestheaters improvisiert ab heute vier Folgen "Lust auf Leben"

Coburg Schnapsideen haben manchmal eine eigene Dynamik. Was zunächst verrückt und seltsam klingt, entwickelt sich zu einem handfesten Vorhaben. "Lust auf Leben" heißt ein neues Projekt des Jugendclubs am Landestheater Coburg, das seine Mitglieder spontan entworfen haben: In vier Folgen bringen sie eine Seifenoper auf die Bühne.

Das Mädchen und der Junge spielen die Szene vier Mal, bei jedem Versuch sprechen sie einen anderen Text. Der Inhalt bleibt gleich, die Schauspieler wählen aber immer andere Wörter. "Wir improvisieren viel, bei jeder Probe ist etwas Neues entstanden", erzählt der Leiter des Jugendclubs, Sven Ruppert. Ein festes Skript hat er erst nach den Proben geschrieben. "Ich habe eigentlich nur die Vorschläge in Form gebracht."

Die Idee für das Seifenopern-Projekt ist im Sommer vergangenen Jahres entstanden. Die Mitglieder hatten den Auftrag bekommen, sich Figuren auszudenken. Diese sollten in verschiedenen Konstellationen aufeinandertreffen. Bereits die ersten Improvisationsversuche machten den rund 20 Mitspielern des Jugendclubs solchen Spaß, dass sie die Szenen zu einer Handlung verbunden haben. "Schnell haben wir gemerkt, dass wir uns einer Soap-Opera annähern."

Geflecht an Personen

Ruppert hat darauf geachtet, dass alle beteiligten Personen Beziehungen zueinander haben, wie es sich für eine richtige Seifenoper gehört. Ein breites Personengeflecht sorgt für vielfältige Verwicklungen. Liebe, Betrug, Streit, Versöhnung und Drogen sind Themen der vier Folgen. Selbst ein Lied mit dem Titel "Lust auf Leben" hat die Gruppe einstudiert.

"Unsere Proben sind immer sehr lustig, das ist einmal etwas anderes", schildert die 17-jährige Hannah Schilling ihre Eindrücke. Die Abwechslung findet auch ihre gleichaltrige Kollegin Peggy Schilha gut: "Bisher haben wir nur anspruchsvolle Sachen gespielt."

Ruppert räumt ein, selbst keine Seifenoperm im Fernsehen anzuschauen. Er hofft, dass es gelingt, die seichte TV-Kost auf der Bühne zu persiflieren. "Bierernst sollte das Publikum das Stück nicht nehmen".

Sven Ruppert und seine Schauspieler von 15 bis 20 Jahren halten sich offen, ob sie nach den vier Teilen weitermachen wollen. "Das hängt davon ab, wie die Folgen angenommen werden", teilt Leiter Sven Ruppert mit.

Anmerkung der Tipse : Irgendwie hat sich etwas in mir schon widerstrebt, den Quatsch, der da unten teilweise drin steht, zu schreiben... Ich sage nur: Wenn zitiert, dann bitte auch richtig! Aber gut, was soll man tun. Es folgt trotzdem:(Anmerkung der "Tipse" dringelassen(Anm. der Red.))

Neue Presse, 7. Februar 2004

Eine Soap in 4 Folgen

Wer geht hier mit wem ins Bett?

Kein Drehbuch und kaum Vorgaben - in "Lust auf Leben" lassen die Akteure ihrer Kreativität freien Lauf

"Lust auf Leeeeeeeeeeben, das sind wir" - so lautet die erste Zeile des Titelsongs, der das gleichnamige Theaterprojekt des Jugendclubs Coburg einläutet.

"Wir", das sind 20 junge Schauspieler, die mit ihrem Stück heute in der Coburger Reithalle auftreten. Die Titelmelodie erinnert an die Anfangstrailer zahlreicher TV-Seifenopern. Und genaus so eine Soap wollen die jungen Künstler auch aufführen. "Die Ursprünge entstanden eigentlich schon im Juli letzten Jahres", weiß Claudia Thieße. Die 17-Jährige ist, wie so viele ihrer Theaterkollegen, schon seit drei Jahren Mitglied des Theaterclubs. "Im Sommer sollte sich jeder aus der Gruppe einen eigenen Charakter suchen, um dann mit den anderen Akteuren zu interagieren und beliebige Situationen durchzuspielen", erklärt sie. Nach und nach entstanden so Handlungsstränge und kleinere Geschichten. Sven Ruppert, Leiter des Jugendclubs und Regisseur des Stückes, hatte die Idee, die Kurzgeschichte zu einer großen Hauptstory zusammenzufügen.

Soaps als Vorbild

"Als Vorbild haben wir einfach die aktuellen Seifenopern genommen", sagt Ruppert. Liebesgeschichten, Eifersucht, Kriminalität, Hass, Intrigen, Beziehungsdramen. "All solche Komponenten, die in eine richtige Soap gehören, fließen in dieses Stück ein." Besonders komprimiert mussten die Geschichten nicht sein, "denn wenn man sich so die Drehbücher von 'Gute Zeiten, Schlechte Zeiten' und Konsorten ansieht, dann wundert man sich, wie viel Handlung die Regisseure in eine Sendung packen." Eine Kopie der täglichen Fernsehsendung soll es aber nicht sein. "Eigentlich wollen wir diese ganzen Soap-Geschichten schon ein bisschen auf den Arm nehmen", meint Claudia Thieße. "Die Seifenoper ist ja für sich schon Satire genug, aber wir wollten sie vielleicht noch einbisschen überzogener darstellen." Ruppert denkt, dass jeder Zuschauer mit sich selbst ausmachen sollte, wie er mit den Geschichten umgeht.

Von den Jugend-Schauspielern wird viel verlangt. Auf Claudia übt dieses Stück einen besonderen Reiz aus. "Das Coole an diesem Projekt ist, dass man sehr viel Improvisation in die Waagschale werfen muss, im Gegensatz zu normalen Stücken mit festgelegtem Skript."

Keine Textvorgaben

Texte und genaue Handlungsstränge können gar nicht auswendig gelernt werden, weil sie nicht vorhanden sind. Dies macht die Sache nicht etwa einfacher, sondern eher komplizierter. "Man muss sich viel mehr in den Charakter hineindenken, um ihn zu verkörpern", gibt Claudia zu bedenken.

Besonders lustige Situationskomik ist hier natürlich vorprogrammiert. "Auch wenn man eine Szene immer wieder probt, gibt es vom Text her immer große Unterschiede." Teilweise mussten die umstehen Akteure selbst über die dargebotenen Stücke lachen, weil die gleichen Szenen immer eine andere Komik besitzen. Das fordert dem Schauspieler ein großes Improvisationsvermögen ab. Bei den Proben wurde aber schnell klar, dass die 15 - bis 20 - jährigen Jungakteure diese Anforderungen mit Bravour meistern.

Und als ob das nicht genug wäre, kümmern sich die Schauspieler selbst auch noch um den Bühnenaufbau und Szenenwechsel. Auftreten werden sie im Bühnenbild des Stückes "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen", das zurzeit auch in der Reithalle aufgeführt wird.

Die Jugendlichen müssen aber trotzdem immer aufpassen, dass sie selbst nicht den Überblick in dem Handlungsgewirr verlieren. Bei den Proben selbst merkte man, wie die Schauspieler schon selbst teilweise nicht mehr wussten, wer jetzt mit wem ein Kind gezeugt hatte, wer nun wirklich der Vater ist und wer wen mit wem betrogen hat. "Aber Sven Ruppert behält da immer den Überblick", erklärt Claudia.

Vier Akte

Das Stück wird in vier Akte unterteilt, die an drei Wochenenden aufgeführt werden. Der Zuschauer braucht keine Angst zu haben, dass er den Überblick verliert, wenn er einen Teil mal verpasst hat. "Indem wird das Geschehene immer am Anfang kurz wiederholen, geben wir jedem Zuseher die Chance, wieder in die Geschichte zu finden", beruhigt Sven Ruppert. Die Lust am Leben war allen Akteuren schon bei den Proben anzusehen.Eine Truppe, die Spaß an der Schauspielerei hat und dies auch in jeder Szene nicht vermissen lässt.

Basti Sittner

Coburger Tageblatt, 24. 02. 2004

SCHWANGER VOM HALBBRUDER

Auch die Seifenoper "Lust auf Leben" des Jugendclubs findet kein glückliches Ende

Coburg (von Carsten Höllein)

"Finale" steht auf der Eintrittskarte für die vierte Folge der Seifenoper "Lust auf Leben". Der Jugendclub des Landestheaters scheint sein Spiel in der Reithalle zu einem glücklichen Ende zu bringen, denkt sich der treue Zuschauer am letzten Abend. Von wegen! Es wendet sich nur kurze Zeit alles zum Guten, dann entstehen neue Konflikte, die Rollen legen andere Handlungsstränge an, die nach mehr verlangen.

TV-Soaps leben von dem Anspruch, endlos zu sein, wer einen Teil verpasst, kann mühelos wieder einsteigen. Der Jugendclub ist an vier Abenden den Fernsehvorbildern gefolgt, aber es bleiben Unterschiede: In Serien wie "Verbotene Liebe" oder "Marienhof" peppen die Macher den seichten Stoff mit Ausstattung und Musik auf. Oft überdecken sie damit auch dilettantische Leistungen der Schauspieler.

Das Projekt "Lust auf Leben" in der Reithalle läuft dagegen anders. Dort ist das Bühnenbild eher karg, Tische, Stühle oder Sofas reichen aus. Das Publikum richtet daher seine Aufmerksamkeit zwangsläufig auf die Protagonisten vor sich. Die Schauspieler müssen mehr arbeiten, um den Szenen eine Handlung zu geben.

Was ihnen der Jugendclub in der Reithalle geboten hat, kann sich sehen lassen. Vier Abende haben ausgereicht, eine Palette an Themen abzuarbeiten. In der letzten Folge haben die Figuren manches Geheimnis gelüftet: Der Dealer wird zum verlorenen Sohn, die hektische Zicke zur verschollenen Tochter, beide sind Halbgeschwister, und sie ist noch schwanger von ihm.

DIE KLEINE WELT DER SEIFENOPER

Soaps gehen mit dem Inzest unbeschwert um. Locker und leicht schlafen Personen miteinander, die zufällig Geschwister sind und nichts davon wissen. Alle Figuren haben Beziehungen zueinander oder tragen Konflikte aus. Der Jugendclub überspannt bewusst diesen Bogen, die Geschichte rutscht ins Surreale ab. Regisseur Sven Ruppert hat vor der ersten Vorstellung einen Anspruch formuliert: "Wir wollen die TV-Soaps auch persiflieren." Das ist in treffender Weise gelungen. Die jungen Schauspieler zeigen gekonnt, was von einer Seifenoper übrig bleibt, wenn sie ihres Beiwerks beraubt wird: hanebüchene Konstellationen, die ohne Bezug zur Wirklichkeit auskommen.

Die vier Abende in der Reithalle haben Spaß gemacht, weil die jungen Talente ihre Auftritte mit Situationskomik und Sprachwitz gewürzt haben. "Lust auf Leben" hat Lust auf mehr gemacht. Der Beifall des Publikums fordert eine Fortsetzung.

Coburger Tageblatt, 09.02.2004

"LUST AUF LEBEN" MACHT LUST AUF MEHR

Erste Folge des Seifenopern-Projektes des Jugendclubs

Coburg (von Carsten Höllein)

Bereits in der ersten Folge seines Seifenopern-Projektes "Lust auf Leben" (TAGEBLATT VOM 7./ 8. Februar) zeigte der Jugendclub des Landestheters am Samstagabend in der Reithalle, dass er sich in der neuen Kategorie gekonnt zurechtfindet: Gefängnis, Einsamkeit, Träume, Betrug und Freundschaft - an Themen stand die Bühnenaufführung seinen Fernsehvorbildern in nichts nach.

Die Unterschiede lagen eher woanders: Während TV-Serienstars in teuren Kulissen schauspielerisch dilettieren, gaben Talente dem seichten Stoff in der kargen Ausstattung der Reithalle einen künstlerischen Anspruch. Mit Witz und Situationskomik gelang es dem Jugendclub, die TV-Vorbilder der Seifenoper zu persiflieren.

Zum Einstieg gab es einen Film: er stellte die Mitwirkenden vor. Im Chor sangen sie im Anschluss auf der Bühne das Lied zur Seifenoper "Lust auf Leben".

Der erste Teil "Freunde für Sophie" diente vor allem dazu, alle Figuren der Soap einzuführen. Die Darsteller legten bereits die Grundlagen für die Handlungsstränge der nächsten Folgen.

GEFLECHT DER PERSONEN

Auf das Geflecht der Personen kommt es dabei besonders an. Alle Rollen entwickeln im Lauf der Folgen Beziehungen zueinander. Bemerkenswert war am ersten Abend, dass die Schauspieler ohne Brüche ihre Auftritte improvisierten. Ohne festen Text meisterten sie ihre Rollen.

Die voll besetzte Reithalle honorierte den gelungenen Einstand von "Lust auf Leben" mit lang anhaltendem Beifall.

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