"Hase Hase" von Coline Serreau

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Originaltitel: Lapin Lapin, aus dem Französischen von Marie Besson

Premiere: 6. Juli 1996



Versuch einer Inhaltsangabe

Besetzung

Texte zum Stück

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Proben

Aufführungen
Gibts jetzt doch! Qualitativ nicht ganz so gut, aber Ihr werdet sehen, warum.:-)





Versuch einer Inhaltsangabe


Paris, heute oder morgen. In der Welt der Familie Hase scheint alles in Ordnung. Drei der fünf Kinder sind aus dem Haus und stehen im eigenen Leben. Papa schuftet für seinen kleinen Lohn, der älteste Sohn, Bebert, macht gerade sein Medizinstudium und der jüngste, Hase Hase, ist auf dem Gymnasium. Und alle werden umsorgt von Mama, dem Herzstück der Familie. Doch plötzlich wird diese Harmonie gestört: Die übrigen Kinder suchen wieder aus verschiedensten Gründen Zuflucht bei ihrer Familie. Auch die politische Lage des Landes (Arbeitslosigkeit, Terrorismus, Umsturz) läßt sich nicht mehr ignorieren. In diesem zunehmenden Chaos ist es auch für eine Mama nicht leicht, Ruhe und Übersicht zu wahren, vor allem dann nicht, wenn jeder glaubt, seine Lösung sei die Richtige.

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Besetzung



Inszenierung: Peter Molitor
Bühnenbildbetreuung : Petra Mollerus
Action-Sequenzen : Thorsten Roth
Inspizienz : Britta Claus
Souffleur: Karl-Heinz Hackert
Premiere: 6. Juli 1996

Anfang: 20.00 Uhr Eine Pause Ende ca. 22.15 Uhr

Technische Leitung: Norbert Ernst -
Beleuchtung Hansjörk Schmidt(+) -
Requisite: Klaus Sauerteig -
Maske: Elvira Fischer -
Ausstattungsleitung Johannes Schlack -
Leiterin der Kostümabteilung: Gertrud Radl -
Kostüm-Assistenz: Karin Huber -
Gewandmeister/in Andrea Schönfelder, Lienhard Oppel
Herstellung der Dekoration in den eigenen Werkstätten

Aufführungsrechte: Henschel Schauspiel Verlag, Berlin

Mutter Hase: Claudia Ros
Vater Hase: Thorsten Roth
Hasa Hase: Stefanie Oppel
Bébert: Michael Steinhauser
Jeannot: Christoph Zitzmann
Marie: Lilian Wurzberger
Lucie: Sandra Dehler
Gérard: Sven Ruppert
Frau Dupperie: Gabi Lotter
Hervé Dupperie: Thorsten Heuser
Fernsehsprecherin/Kleiner Soldat: Jessica Gronau
Ministerpräsident/Mann in Schwarz: Holger Schäfer
1. Polizist: Alexandra Baudler
2. Polizist: Kerstin Kroner


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Texte zum Stück



Mehr als sie erlaubt

Ihr Herz ist kalt wie ein gefromes Hühnchen
Ihre Schönheit Überzuckert mit Gewalt
Für ihre Jacke starben mehr als zehn Kaninchen
Und dann tut sie auch noch so als wär es Nerz
Mädchen sein allein ist keine Tugend,
Auch wenn es scheint, als ob es das ist, was sie glaubt
Dick und rund wär ich, bekäm ich eine Torte
Für jede Illusion, die sie mir raubt
Kann sein, daß sie mich nie mehr wiedersieht,
Wenn ich einmal fort bin
Einfach ist es nicht, doch ich liebe sie, mehr als sie erlaubt

Was fällt dir ein zu ihr zu sagen. sie wär niedlich
Sie hat die Niedlichkeit eines jungen Wolfs
Ihr Gemüt ist alles andere als friedlich
Für ihre Zunge braucht sie einen W affenschein
Wo sie hinschlägt, wächst hinterher kein Gras mehr
Auch keine Rosen, wie sie immer wieder glaubt
Gesund wär ich, bekäm ich einen Apfel
Jedesmal, wenn sie in meine Richtung haut
Kann sein. daß sie mich nie mehr wiedersieht
Wenn ich einmal fort bin
Einfach ist es nicht, doch ich liebe sie mehr als sie erlaubt

W enn ich nicht selber so ein riesengroßes Schwein wär
Dann hätt es niemals mit uns zwein so gut geklappt
Letztendlich bin auch ich ein ganz Gemeiner
letztendlich paßt auf jeden Eimer ein Gesicht
Sie liebt an mir den schäbigen Charakter
Und ihre Grausamkeit ist mir so schön vertraut
Grün und blau wär ich. bekäm ich eine runter
Für jeden guten Freund. der mir nicht glaubt
Kann sein, daß ihr auch mich nie wiederseht
Wenn sie einmal fort ist
Einfach ist es nicht, doch für was besseres bin ich hoffnungslos versaut

- Sven Regener -


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"Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen."

-Loriot-


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Ich sehe keine Chance mehr für unsere Ehe.

Ich bin 30. seit fast zehn Jahren verheiratet. Unsere Ehe ist ziemlich langweilig geworden. Mein Mann interessiert sich mehr für seinen Sport als für mich. Liebe und Zärtlichkeit: Fehlanzeige. Meine Frage ist, ob ich mich scheiden lassen soll. Bitte raten Sie mir.

Heidemarie S.

Diese Entscheidung kann ich Ihnen leider nicht abnehmen; die müssen Sie ganz alleine treffen. Ich persönlich finde, daß eine Scheidung immer nur die letzte Lösung sein sollte, wenn es absolut keine Möglichkeit mehr gibt, daß zwei Partner sich wieder zusammenraufen und eine Basis für ihre Ehe finden. Haben Sie sich Überhaupt schon mit Ihrem Mann auseinandergesetzt? Weiß er, was Ihnen fehlt im Zusammenleben? Kennt er Ihre Wünsche und Bedürfnisse? Haben Sie den Versuch unternommen, etwas zu verändern, was Ihnen beiden gut tut? Wenn eine Ehe scheitert. sind in der Regel beide Partner am Mißlingen beteiligt. Finden Sie also erst einmal heraus, wie das bei Ihnen aussieht.

Überlegen sie sich alles noch einmal sehr genau. Wenn Sie davon Überzeugt sind, daß es wirklich keine Chance mehr gibt für ein gemeinsames Leben mit Ihrem Mann, weil Sie sich schon zu weit voneinander entfernt haben, sollten Sie mit ihm über eine Scheidung reden und sich juristisch beraten lassen.

- Louise Simon -



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Diffuse Dramatik

Regine Böhl über sich und ihre Mutter Ulrike Meinhof

Es ist nicht leicht, abgeschnitten von dem Gefühl für die eigenen Vergangenheit zu leben. ,,25 Jahre Baader-Befreiung", das bedeutet für mich: 25 Jahre, die es her sind, daß meine Mutter sich entschieden hat, meine Schwester und mich zu verlassen. Ich war damals sieben Jahre alt, recht schüchtern und ängstlich, und ich erinnere mich - oder habe ich es nur geträumt? - , wie ich eines Abends in das Schlafzimmer meiner Mutter kam, als sie sich gerade einen dunkelblauen Rollkragenpullover überzog. In ihrer Hose steckten zwei Pistolen. Was mich, das kann ich wohl sagen, maximal erschreckte. War es dieser Augenblick, in dem ich beschloß, alles früher Erlebte zu vergessen und vieles, was danach kam, gar nicht wirklich an mich herankommen zu lassen? Oder war das schon viel früher geschehen? Tatsache ist jedenfalls, daß das Verdrängen zu meiner Bewältigungsstrategie wurde und ich kaum eine Erinnerng an meine Kindheit habe. So kommt es wohl auch, daß die böse, schlimme und harte Seite von Ulrike Meinhof bis heute weitgehend an mir vorübergegangen ist. Das mag bei der damals allgegenwärtigen Presse kaum vorstellbar sein, aber offensichtlich war es mir einfach nicht möglich, dieser Realität ins Gesicht zu sehen. Ich habe mit den Worten "Terroristin", "Bandenchefin" oder "Staatsfeind Nr. 1" nie meine Mutter verbunden, obwohl ich natürlich wußte, daß Ulrike Meinhof gemeint war und daß das meine Mutter ist. Spürbar war für mich lediglich eine diffuse Dramatik, die aus den Dimensionen Mord und Selbstmord entstanden war und die mein Leben fortwährend begleitete. Noch heute wundere ich mich, wenn jemand, dem ich erzähle, wer meine Mutter ist, erschrickt, allen Terror dieser Zeit ins Gesicht geschrieben, und bekundet: ,,0h, wie schrecklich." Oder wenn, nach dieser Eröfnung, nur noch der Gesichtsausdruck dem betretenen Schweigen die Worte gibt: "Du Ärmste, deine Mutter war eine Verbrecherin." Verstanden fühle ich mich da nicht. Für mich ist das Wesentlichste, daß sie nicht da war und nicht da ist. ,,25 Jahre Baader-Befreiung", das heißt für mich auch, daß ich viel Zeit hatte, darüber nachzudenken, wann meine Mutter in den Untergrund gegangen ist. Diesen entscheidenden Schritt zu verstehen, das ist mir bisher nicht gelungen. Obwohl 25 Jahre vergangen sind, habe ich mich mit dem Thema bisher kaum auseinandergesetzt. (Die Journalistin Ulrike Meinhof trat das erste Mal öffentlich in Erscheinung, als sie 1970 mit einer Gruppe von Leuten den inhaftierten Kaufhaus-Attentäter Andreas Baader aus dem Gefängnis befreite. Mit ihm und Gudrun Ensslin gründete sie die Rote-Armee-Fraktion (RAF), die in den folgenden beiden Jahren mehrere Sprengstoffattentate in der Bundesrepublik verübte (unter anderem auf die Augsburger Polizeidirektion, dem Europa-Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg oder den Hamburger Axel Springer Verlag}. Am 14. Juni 1972 wurde Ulrike Meinhof festgenommen, am 9. Mai 1976 erhängte sie sich in ihrer Gefängniszelle)


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Stalin



Sager:

Hier ist ihr Geld, Genosse Stalin.

Stalin:

Ich brauche kein Geld. Aber Sie! Nehmen Sie Stalins Lohn, Sie wissen, wo sich die Hunde mit dem vollen Bauch versammeln. Besorgen Sie mit dem Geld eine Ikone für Anastas! Sie sammeln alle. Ein Sozialist und Ikonen! Das soll die Partei sein, die die Vergangenheit abschaffte, damit ein Neuer Mensch entstehe! Was für Opfer mußte die Partei bringen! Aber er kommt, der Neue Mensch. Er kommt. Glaubt mir. Er kommt. Er kommt nicht! Sie können kochen. Kochen Sie also für diesen Neuen Menschen Kaviarblinis! Kaufen Sie mit Stalins Lohn eine Hupe für das Kabrio des Neuen Menschen, die "Wolga, Wolga" spielt! Er singt. "Wolga, Wolga, Wolga, Wolga." Zahlen sie Ihre Schauspielschülerinnen, damit sie sich vom Neuen Menschen in sämtliche Löcher ficken lassen. Es läßt sich garantiert einer unter diesen Neuen Menschen finden, der Ihrem Sohn hilft, der ihm die Haftbedingungen erleichtert. Der Neue Mensch ist bestechlich. Bestechen Sie ihn mit meinem Lohn. Aber kommen Sie Stalin nicht damit! Strapazieren Sie die Geduld des armen kranken Stalin nicht weiter! Meine Zuneigung räumt Ihnen keine Sonderrechte ein. Wie stünde ich sonst vor den unermüdlichen Genossen der Organe da? Sie wachsen mit Stalin. Was würden die Angehörigen der anderen Zionisten, die wir verhaftet haben, von Stalins Gerechtigkeit halten? Versetzen Sie sich in meine Lage.

-Gaston Salvatore-

(aus: Gaston Sallvatore: "Stalin" - ein Stück)



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Kosmisches Pygmäengezücht

Am 4. Juli 1947, um 11.30 Uhr stürzte nahe der US-Luftwaffen-Basis Roswell (New Mexico) ein Außerirdischer mit seiner Fliegenden Untertasse ab - ein Unglück, das Ufo-Geschichte schrieb: Denn fortan begannen die Außerirdischen einen regen Besuchsverkehr mit der Erde, die ihnen offenbar zunehmend als Puff dient: Immer häufiger berichten Männer wie Frauen von geschlechtlichen Eskapaden, die Galaktikos an ihnen vollführt hätten - vor allem in Amerika, wo mittlerweile vier Prozent der Bevölkerung glauben, schon einmal von einem Allianer sexuell belästigt worden zu sein. Aber auch vor Deutschen schreckt das lüsterne Pack nicht zurück, wie die Buchhalterin Michaela H., 28, aus Mönchengladbach in Bild berichtete: "Einer der Ufo-Zwerge stieg in mein Bett. Ich spürte glitschige Hände, bekam fünf Orgasmen" - so etwas hätte das kosmische Pygmäengezücht früher nicht gewagt. Denn in den ersten Jahren nach jenem denkwürdigen Julitag 1947, an dem just um 11.30 Uhr ein Wetterballon 30 Kilometer nordöstlich vom Roswell-Fliegerhorst wieder zur Erde sank, standen sie noch unter Aufsicht des Roswell Daily Record: Das Lokalblatt, das der Welt damals die Sensation vom Absturz eines unbekannten Flugobjekts gemeldet hatte, bemühte sich sogar um "Funkkontakt zu unseren Besuchern", nachdem die Allianer einige betagte Farmer mit Steinen beworfen hatten. Doch seit die Außerirdischen fast täglich in den Schlagzeilen stehen, seitdem eine nach Millionen zählende Gemeinde von Ufotikern unverbrüchlich an sie glaubt, lassen die Wesen aus lichtjahrfernen Welten die Sau raus. Reihenweise entführen sie Menschen, um ihnen Peilsender ins Hirn zu pflanzen oder sie mit Sägen, Messer. Stanzen, Bohrern und Spritzen von harpunenförmigen Ausmaßen zu traktieren. Männern gehen sie meist ans Gemächte. Frauen werden fast ausnahmslos geschwängert - nichts, was menschliche Phantasie zu ersinnen vermag, lassen die Außerirdischen aus.

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Der Fall Adamski:



George Adamski, ein Kalifomier polnischer Abstammung, sah am 20. November 1952 in der kalifomischen Wüste ein zigarrenförmiges Raumschiff und begegnete einem Venusier mit langen Haaren, der etwa 28Jahre alt, 135 Pfund schwer, und 1,65 Meter groß war. Adamski verständigte sich mit ihm mit Zeichensprache und TelepathIe. Der Venusier war gekommen, um die von Atombomben verursachte Strahlung zu messen. Er sagte, daß er an Gott glaube, und daß die Venusier sich strenger an die Gesetze des Schöpfers hielten, als es die Menschen der materialistischen Erde tun. Er wollte nicht fotografiert werden und erlaubte Adamski auch nicht, im Raumschiff mitzufliegen. 1953 veröffentlichte Adamski ein Buch mit der Beschreibung der Begegnung, mit Zeichnungen von dem Venusier und seiner Fußabdrücke, in denen sich geheimnisvolle Symbole abzeichneten. Das Nachwort schrieb der Esoteriker Desmond Leslie, der ähnlich wie Erich von Däniken die These vertritt. daß in Mythen, heiligen Schriften und prähistorischen Stätten Zeugnisse von außerirdischem Besuch auf der Erde nachweisbar seien. George Adamski galt lange als bekanntester Ufo-Zeuge. Er wurde von einer Verehrer-Gemeinde umgeben. Die Überzeugt war, daß er nicht nur mit Außerirdischen zu anderen Planeten geflogen, sondern selbst ein "Kind der Sonne" war - er hatte nämlich anstelle des Bauchnabels eine Sonnenscheibe mit etwa 15 cm langen Strahlen. Gegen Adamski wurde angeführt, daß er seine Venusier_Geschichte schon 1949 vergeblich als Science-Fiction-Roman ("An Imaginary Trip to the Moon, Venus and Mars") zu veröffentlichen versucht und sie dann auf der Ufo-WeIle in einem Zeugenbericht verwandelt habe.

- Niklaus Helbling -



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Anmerkung zu "Hase Hase" von Coline Serreau:


"Dem Aufstand, den Schlachten und den Toten folgt die Zeit der Müdigkeit, auch Frieden genannt. Man setzt sich auf einen Stein am Wegrand, und schon erscheint dir die Welt wie sie ist. Du wähntest dich einzeln, getrennt, allein nur den Weg zu bestimmen. Plötzlich weißt du, daß Materie dich ganz umhüllt, selbst Teil der großen Auflösung, vermagst du nicht mehr zu sagen, wo dein Ich aufhrt, das andre beginnt. Der Stoff aus dem wir sind, zieht uns wohin er muß, rücksichtslos. Derart befindlich mag es geschehen, daß man HASE HASE schreibt, die Verzweiflung zu überwinden, das Lachen zu retten, und Zeugnis abzulegen."

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Heute war gestern, gestern war alles beim alten. wieder ein Tag geschafft, schon wieder eine W oche vorbei, ein schönes neues Jahr. Was gibt es morgen zum Essen? Ist der Briefträger schon gekommen? Was hast du den ganzen Tag zu Hause gemacht? Auftischen. abräumen; "Sind jetzt alle versorgt?" Vorhänge auf, Vorhänge zu; Licht an, Licht aus; "Ihr sollt nicht immer im Bad das Licht brennen lassen!". zusammenfalten, auseinanderfalten; ausleeren, füllen; Stecker rein, Stecker raus. "So, das war's für heute."

- Peter Handke -
(aus: Peter Handke, Wunschloses Unglück, Salzburg 1972)


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Das Kind

Einmal und so war ein klein' Kind, das saß am Eßtisch,
hatte den Eßlöffel in der Hand und wollte essen, ich
glaube Erbsensuppe. Der Löffel war aber so groß, der
Weg vom Suppenteller bis zum kleinen Mund so weit,
die Hand so ungeübt, daß das Kind sich verirrte. Es
vermochte seinen Mund nicht zu finden, und enttäuscht
ließ es den Löffel sinken. Über dem Unglück vergoß es
Tränen, und da niemand bei ihm war, der sie ihm
abwischte, so wollte es eine so schwierige Arbeit selber
verrichten, aber o weh, es wußte noch nicht, in welcher
Gegend ungefähr die Augen liegen. Es hatte sein Ta-
schentuch herausgenommen, war aber nicht im Stande,
seine Augen zu finden, und so weinte es fort. Die
Tränen flossen ihm über die Wangen. längs dem Nä-
schen, in den Mund hinein, und das Kind aß nun statt
Erbsensuppe Tränen. Bislang war das Kind ganz allein.
Nun aber kam seine Mutter, die sah das Leid. Rasch
küßte sie es, begütigte und beruhigte es und gab ihm zu
essen, und da war das gute, arme, kleine Kind wieder glücklich.

(aus - Robert Walser - "Das Gesamtwerk", Ffm. 1978)


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Weil Gott nicht überall sein konnte, schuf er eine Mutter

- Arabisches Sprichwort-


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HAMBURG: Die Deutschen haben ein inniges Verhältnis zu ihren Müttern. Das belegt eine repräsentative Umfrage der Zeitschrift "Brigitte" (Forsa-Institut. 1000 Befragte). 70 Prozent der Befragten geben an, sie hätten eine gute oder sehr gute Beziehung zu ihrer Mutter, 19 Prozent bezeichneten ihr Verhältnis zu ihrer Mutter als normal. Von Spannungen beherrscht ist das Kind-Mutter-Verhältnis bei vier Prozent und lediglich zwei Prozent sagen, ihr Verhältnis zur Mutter sei schlecht. Wie die Umfrage zeigt, ändert sich die Qualität der Beziehung im Laufe der Jahre kaum. "Meine Mutter ist oder war eine gute Freundin für mich", sagen ebenso viele 18jährige wie in den Altersgruppen 40 oder auch 60 Jahre. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es kaum Unterschiede: Jeweils rund 70 Prozent halten ihre Beziehung zur Mutter für prima. 18 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen sagen, sie hätten eine besonders intensive Bindung zur Mutter.

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Väter für Kinder so wichtig wie Mütter

FRANKFURT: Väter sind nach Einschätzung von Wissenschaftlern für die Erziehung von Kindern genauso geeignet wie Mütter. "Das gilt auch für kleine Kinder", sagte Pädagogik-Professor Wassilios Fthenakis von der Universität Augsburg am Dienstag in Frankfurt.

Die bislang noch weitverbreitete Ansicht, die Mutter sei grundsätzlich die "primäre Bezugsperson", lasse sich nicht mehr aufrechterhalten. Kinder entwickelten gleichzeitig zu beiden Eltern ähnlich intensive Bindungen. Ausschlaggebend sei dabei nicht die Zeit, die Mütter oder Väter für ihr Kind verwenden, sondern die "Qualität der Bindung." Familienpolitik dürfe sich nicht länger vor allem an traditionellen Rollenbildern orientieren, forderte Fthenakis bei der Vorstellung einer Plakataktion des Vereins "Mehr Zeit für Kinder". Auf 100 000 Flächen sollen Väter bundesweit dazu ermuntert werden, sich mehr um ihre Kinder zu kümern.



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Der Gynäologie-Professor Wilhelm Brädle in einem Spiegel - Interview über männliche Schwangerschaft, deren Möglichkeit er verneint, auf die Frage: "In puncto Kinderkriegen wird es demnach keine Gleichberechtigung für Männer geben? " Brändle: "Für Männer, die sich benachteiligt fühlen, gäbe es im Zusammenhang mit dem Kinderkriegen weit wichtigere Aufgaben, und zwar auf sozialer Ebene: Die Männer sollten sich viel mehr um Arbeitsteilung bemühen, wenn das Kind geboren ist. Da könnten sie sich einen ganz anderen Platz erobern, als sie ihn bislang in der Geschichte gehabt haben."




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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Wieder stehen wir am Ende eines Jahres. Es war ganz gewiß kein einfaches Jahr. (...) Deutschland wächst zusammen. Vor uns liegt noch ein schwieriger Weg. Doch gemeinsam werden wir ihn meistern. Ich weiß um die Sorgen vieler Menschen - Vor allem in den neuen Bundesländern. Ich kenne ihre Sorgen um den Arbeitsplatz, ich kenne ihre Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihres Alltags. Wiedervereinigung, liebe Landsleute, heißt auch, daß die Sorgen der Menschen in den neuen Bundesländern das gemeinsame Anliegen aller Deutchen sind. Es darf kein "hüben" und "drüben" mehr geben. Wir sind ein Volk. (...) Bei allen unseren Übergangsschwierigkeiten dürfen wir nicht vergessen: unsere Nachbarn in Mittel-, Ost- und Südeuropa haben es viel, viel schwerer. Das Zusammenwachsen bei uns braucht Zeit, und wir brauchen Geduld, auch miteinander. Vielen von uns erscheint die Stärke der deutschen Wirtschaft als etwas zu Selbstverständliches. In Wahrheit muß sie jedoch täglich neu erarbeitet werden - nicht zuletzt durch gemeinsame Anstrengungen in Politik, Unternehmen und Gewerkschaften. Unser Wohlstand, die Stabilität der D-Mark, die Festigkeit des sozialen Netzes - das alles ist das Ergebnis verantwortungsbewußter Arbeit der vielen Millionen Männer und Frauen unseres Landes. Sie verdienen unser aller Dank. Sozialer Frieden und ein vernünftiges Miteinander zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern garantieren uns eine gute Zukunft. (...) Unser aller Wohlstand wird auch durch den Fleiß von Millionen ausländischer Mitbürger rniterarbeitet. Seit Jahrzehnten leben wir mit ihnen in guter Nachbarschaft und Freundschaft zusammen. Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land und wird es bleiben. Jede Form von Ausländerfeindlichkeit wäre eine Schande für unser Land. Das wiedervereinigte Deutschland hat jetzt mehr Verantwortung in der Welt. (...) Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir stehen mitten in einer Zeitenwende, in der wir nicht nur Zuschauer sein können. Wir sind gefordert, mutig und entschlossen unseren Beitrag zur Gestaltung eines neuen Europa zu leisten. Auf dem Gipfeltreffen der Europäischen Gemeinschaft vor ein paar Wochen in Maastricht haben wir jetzt einen Durchbruch erzielt. Er bedeutet den Beginn einer neuen Epoche. Auf dem Weg zum vereinten Europa wird es kein Zurück mehr geben. Gegen Ende dieses Jahrzehnts, dieses Jahrhunderts, werden die Länder der Europäischen Gemeinschaft eine gemeinsame Währung haben -eine Währung, die genauso stark und stabil sein muß, wie die Deutsche Mark. Stärke und Stabilität unseres Geldes sind das Ergebnis harter Arbeit in über 40 Jahren. Wir werden diesen Erfolg um keinen Preis aufs Spiel setzten. (...) Vor uns. liebe Landsleute, steht die Generation unserer Kinder und Enkel. Für sie wollen wir ein Europa des Friedens, der guten Nachbarschaft und der freundschaftlichen Zusammenarbeit schaffen. Ich wünsche Ihnen ein gutes Neues Jahr: Gott schütze unser deutsches Vaterland: Gott schütze unsere gemeinsame Erde !

(Neujahrsansprache von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 31.12. 1991)


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