"Das Fest"


von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov
Bühnenfassung von Bohr Hansen

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Versuch einer Inhaltsangabe

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Versuch einer Inhaltsangabe


Der Landgasthof der Familie Klingenfeld-Hansen ist die Kulisse für die etwas anders als gewohnt ablaufende Familienfeier zum 60. Geburtstag des Familienpatriarchen.



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Besetzung



Inszenierung:...................Peter Molitor/Sven Ruppert

Regieassistenz:.............................Claudia Potzta
Inspizienz:...............................Dominique Dupont
Souffleuse:...................................Meike Jordan

Helge, der Vater:..............................Timo Knauer ¹
Else, die Mutter:...........................Kilu v. Prince

Christian, der älteste Sohn:..................Sven Ruppert
Michael, der jüngste Sohn:.............Sebastian Grünewald
Helene, die Tochter:.........................Katharina Häs
Linda, die tote Schwester:..................Claudia Potzka

Mette, Michaels Frau:.........................Josi Richter

Gbatokai, Helenes Geliebter:................Bobby Phillips

Helmut, Toastmaster:.....................Constantin Hirsch

Großvater:...............................Andreas Lindemann ¹
Großmutter:.................................Kerstin Kroner

Kim, Koch:...................................Simon Klüpfel
Birgitte, Dienstmädchen:..................Hannah Schilling

Pia, Dienstmädchen:...........................Julia Leicht
Michelle, zweites Dienstmädchen..............Anne Wittmann

als weitere Gäste: Barbara u. Martin Kunert, Thekla Morgenroth,
       Anne Naumann, Laura Prawitz, Peggy Schilha

Weiter Dienstmädchen: Buket Daghan, Sarah Prawitz, Lisa Wegener

¹ Mitglieder von Cross Art e.V.

Uraufführung: 09.09.2000 im Schauspielhaus Dortmund
Premiere: 24.05.2002
Beginn: 20.00 Uhr
Aufführungsdauer ca. 90 Minuten
Keine Pause

Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt

Dank geht an die Gaststätte "Büchner" in Dörfles-Esbach für das zur Verfügungstellen der Tische und Stühle und an den "Ratskeller" Coburg für Teile des Geschirrs und die Weingläser
Dank geht ebenfalls an Frau Ruppert für die Tischdekoration.
Das Menü wurde zubereitet von der "Künstlerklause"

Technische Leitung: Norbert Ernst - Beleuchtung: NorbertBenda - Bühne: Ulrich Kaiser - Ton: Norbert Benda - Chefmaskenbildnerin: Elvira Fischer - Requisite: Klaus Sauerteig - Kostüme wurden in theatereigenen Werkstätten hergestellt. - Vorstand des Malersaals: Rainer Schirmer - Schlosserei: Jürgen Binder - Schreinerei: Thomas Müller, Karl Korn, Rainer Griebel - Kostümbildassistentin: Susanne Gibbons - Gewandmeisterinnen: Anna Rudi/Margareta Gulich

Impressum: Landestheater Coburg - Intendant: Dr. Dieter Gackstetter - Spielzeit 2001/2002 - Programmheft zu Thomas Vinterberg/Mogens Rukov "Das Fest" - Redaktion: - Gestaltung: Constantin Hirsch - Plakat zu "Das Fest": Idee und Umsetzung: Sebastian Grünewald, Timo Knauer, Sven Ruppert - Druck: DCT



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Texte zum Stück



Abschied


"Wenn man Selbstmord begehen will, kann man keine sinnvolle Botschaft hinterlassen. Im Gegenteil, wenn man eine sinnvolle Botschaft hinterlassen könnte, müsste man nicht Selbstmord begehen." Edwin Shneidman, Schriftsteller

Die große Mehrzahl aller Selbstmörder sind depressiv, bzw. manisch-depressiv. Symptomantisch für die Krankheit sind entweder der fressende Selbsthass oder die tragisch-komische, lapidare Nüchternheit, die den typischen Abschiedsbrief ausmachen. Ein 72-jähriger gab seiner Verachtung für die Welt und für sich selbst mit folgenden Worten Ausdruck: "The survival of the fittest. Adios Unfit." - bevor er von der Golden Gate Bridge sprang. Dass viele der Briefe zerrissen aufgefunden werden, weist außerdem auf ein Dilemma des sich verabschiedenden Selbstmörders hin: Wer sich selbst nicht für lebenswert hält, hält auch seine letzten Worte kaum für lesenswert. Am häufigsten aber vermittelt der oft vollkommen absurde Inhalt der letzten Botschaft die Sinnleere, in der sich der Täter kurz vor Beendigung seines Lebens befunden haben muss: "Kinder, wenn irgendwelche Fehler in diesem Brief sind, habe ich ihn nicht sorgfälitg korrigiert.", schrieb ein Schuldirektor, bevor er sich in seinem Büro erschoss. Auffallend vielen Briefen ist gemeinsam, dass sie sich mehr mit dem Leben beschäftigen, als mit dem Leben. Abschiedsbriefe enthalten eher detaillierte Anweisungen über die Art der Beerdigung, als Erklärungen für die Gründe der Tat. Zum Beispiel lautet die Nachricht, die ein Selbstmörder seiner Ex-Freundin hinterließ: "Ich möchte, dass meine Schwester Frances das Klavier bekommt, das du in deiner Wohnung hast. Sorge dafür, sonst werde ich dich als Geist heimsuchen. Tschüss ihr Süßen, bis hoffentlich bald. In Liebe. Joe" Natürlich können Abschiedsbriefe je nach Motiv sehr unterschiedlich ausfallen. Neben Lebensüberdruss und Verzweiflung nehmen einige Menschen eine radikale Form von Altruismus zum Anlass, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Kamikaze-Piloten verfassen vor ihrem Tod Gedichte, in denen sie sich mit fallenden Kirschblüten vergleichen, die religiös motivierten Selbstmordattentäter der jüngsten Geschichte berufen sich auf die Offenbarungen ihres Glaubens. Dabei verweisen die Briefe solcher Täter ebenso auf die bessere und gerechtere Welt, die nach ihrem Tod erstehen soll, wie etwa auch die Botschaften Jugendlicher, die sich aus Protest gegen den Vietnamkrieg töteten. Die aus ihren Abschiedsbriefen ersichtliche Motivation von Kriegstreibern unterscheidet sich insofern kaum von der Motivation suizidaler Pazifisten. Welche Ausstrahlung dem Selbstmord durch einen Abschiedsbrief verliehen werden kann, zeigt der Werther-Effekt: Schon der nur fiktive Abschhiedsbrief von Goethes leidenem jungen Werther brachte eine ganze Reihe junger Männer dazu, sich auch aus Liebeskummer das Leben zu nehmen. Ähnliches lässt sich nach dem Freitod gewisser berühmter Persönlichkeiten beobachten -einige Jugendliche nahmen sich das Ende des Nirvana-Sängers Curt Cobain zum Vorbild für den eigenen Abgang. Welche Motive auch vorliegen mögen, das Bedürfnis, noch irgendeine Nachricht zu hinterlassen, scheint groß zu sein - und sei es nur, um zu sagen, dass man eigentlich nichts mehr zu sagen hat; wie der unbekannte Autor folgender letzter Worte: "No comment".

Quellen: Etkind, Marc: Or not to be, Riverhead Books; New York, 1997


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Den Kopf in den Sand stecken

Verdrängung ist an der Tagesordnung

Menschen gehen verschieden mit Problemen und psychischen Druck um. Manche bewältigen sie, aber was geschieht, wenn der Mensch das nicht schafft? Vor allem bei Kindern, an denen Verbrechen ausgeübt wurden, aber auch bei Erwachsenen - Opfern sowie Tätern, werden verschiedene Schutzmechanismen aktiv, welche die Seele des Menschen schützen sollen.
Eines dieser Phänomene ist die Verdrängung. Dabei werden die Erinnerungen an traumatische Ereignisse aus dem Bewusstsein ins Unterbewusste gedrängt. Oft dringen die Ereignisse allerdings als in scheinbar unmotivierter, eruptiver Gewalt oder als stille Psychosomatik nach außen.
Oft steigen die Erinnerungen erst Jahre später wieder ins Bewusstsein, ausgelöst beispielsweise durch einen Geruch, ein altes Foto oder einem Lied im Radio. Freud geht in seiner Widerstands und Verdrängungstheorie von einem zu schwachen Ich aus, das nicht fähig sei, eine erlebte psychische Schädigung (beispielsweise eine Zurückwei sung oder ein sexueller Mißbrauch) adäquat zu verarbeiten. Statt zu vergessen oder zu integrieren, werden die mit dem Ich unvereinbaren Erlebnisse und Gedanken zum großen Teil aus dem Bewußtsein ins Unterbewußte verbannt, so wie der an das Geschehnis gekoppelte Affekt abgespalten und in ein (körperliches) Symptom konvergiert. Daraus resultiere nicht selten eine Entwicklungshemmung.
Der Verdrängung sehr ähnlich ist ein Verhalten was von Psychologen als Bagatellisierung bezeichnet wird. Dabei werden die Ereignisse vor dem eigenen Ich sowie anderen heruntergespielt, gelindert. Das Gehirn versucht, die schlimmen Ereignisse in harmlose Erinnerungen umzuwandeln. Dabei kommt es auch gehäuft dazu, dass versucht wird das Verhalten des anderen, oder bei Tätern auch das eigene, zu entschuldigen, eine Erklärung dafür zu ?nden.
Ebenso kommt es nicht selten zur Abspaltung von Seele und Körper, wobei die Seele den Körper „verlässt“ und das weitere Leben von außen „betrachtet“. Eine weitere Reaktion auf traumatische Erlebnisse kann eine dem normalen Verhalten entgegengesetzte Handlungsweise der betroffenen Person sein. Auch kommt es dazu, dass unbewusst die inneren Vorgänge nach außen verlagert werden.. Hier werden eigene Wünsche, Fehler, Schuld - oder ähnliche Gefühle auf andere Personen, Situationen oder auch Gegenstände verlagert. Diese (fälschliche) Wahrnehmung hilft in der Regel, die innen erlebte Angst zu verringern.
Sehr häu?g tritt der Schutzmechanismus der sogenannten Autoaggression auf. Dabei tritt eine Aggression gegen die eigene Person auf. Daraus resultiert Selbsthass, Selbstschädigung Masochismus oder sogar Selbstmord. Persönlichkeitsspaltung ist ein weiterer dieser Schutzmechanismen. Dabei wird die Persönlichkeit aufgrund psychischen Drucks in mehrere Persönlichkeiten mit verschiedenen Verhaltensweisen gespalten. Dies resultiert daraus, dass die Psyche die Belastung nicht mehr ertragen kann und deshalb die den belasteten Geist in einzelne Teile bricht.
Mit all diesen Schutzmechanismen sind oft Verhaltensweisen wie Eß-, Schlaf und Sprachstörungen, sowie häu?ge Depressionen, Gewalttätigkeit oder Sadomasochismus verbunden. Oftmals sind die Gründe dieser Verhaltensweise für Psychologen schwer zu erkennen, da die Patienten erst innerlich an den Punkt des auslösenden Ereignisses zurückgeführt werden müssen, um das vergessene Wissen wiederzuerlangen und erneut zu durchleben um dieses dann, gemeinsam mit den Psychologen, bewältigen zu können.


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