"Kinderstunde"


von Lillian Hellman

Versuch einer Inhaltsangabe

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Texte zum Stück

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Versuch einer Inhaltsangabe


Im Alleingang haben die beiden jungen Lehrerinnen Karen Wright und Martha Dobie im Neuengland der späten 50er Jahre ein privates Mädchenpensionat aufgebaut. Um sich an Karen und Martha für eine Bestrafung zu rächen, erzählt die boshafte und Schülerin Mary ihrer Großmutter Amelia, die beiden Lehrerinnen seien ein Liebespaar. Daraufhin nehmen alle Eltern ihre Kinder von der Schule. Die Karriere der beiden Lehrerinnen ist zerstört.



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Besetzung

Peggy...................Melanie Bechmann
Mrs. Lily Mortar......Christine Rauscher
Evelyn Munn................Peggy Schilha
Helen Burton................Lisa Wegener
Lois Fisher.................Vanessa Most
Catherine.................Dominique Behn
Rosalie Wels............Hannah Schilling
Mary Tilford.............Veronika Keller
Karen Wright...........Constanze Rückert
Martha Dobie..............Claudia Thieße
Dr. Joseph Cardin...........Marcel Bauer
Agatha.................Thekla Morgenroth
Mrs. Amelia Tilford.....Lisa - Marie Sax

Weitere Schülerinnen: Laura Brachmann, Buket Daghan, Barbara Kunert

Inszenierung Sven Ruppert Dramaturgie Peter Molitor Souffleuse Kerstin Kroner Inspizienz Saskia Eisenschmidt Technische Leitung Nobert Ernst Beleuchtung und Ton Norbert Benda Gewandmeisterin Margareta Gulich, Anna RudiRequisite Klaus Sauerteig Vorstand des Malersaals Rainer Schirmer Schlosserei Jürgen Binder Schreinerei Thomas Müller, Karl Korn, Rainer Griebel Kostümbildassistentin Susanne Gibbons

Aufführungsrechte: Projekt Theater & Medien Verlag, Köln

Spieldauer ca. 2 Stunden
Pause nach ca. 1 Stunde
Premiere am 08. Mai 2003



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Texte zum Stück



Lillian Hellman



Lillian Florence Hellman Kam am 20. Juni 1905 in New Orleans als Tochter eines Schuhverkäufers auf die Welt.Im Alter von 5 Jahren zog sie mit ihren Eltern nach New York. Dort studierte sie an der New York University (1922-1924) und an der Columbia University (1924), erwarb jedoch keinen Abschluß. Ab 1925 schrieb sie Buchrezensionen für den New York Herald Tribune, und ab 1930 war sie Lektorin bei Metro-Goldwin-Mayer in Hollywood.
Im Herbst 1930 traf sie Dashiell Hemmett, mit dem sie bis zu seinem Tod 1961 zusammenlebte. Hammet, ein Fantasy Autor und Verfasser des "Maltese Falcon", wird großen Einfluß auf Hellman und ihr Leben haben. Er schlug ihr vor, eine Bühnenfassung des "Great Drumsheugh Case" zu schreiben, eine Episode aus William Rougheads "Bad Companions", in der es um einen Skandal an einem Schottischen Internat ging, wo eine Schülerin zwei ihrer Lehrerinnen einer lesbischen Beziehung beschuldigt. Hellmans Bühnenadaption schockte und faszinierte 1936 das Broadway Publikum mit dem freizügigen Umgang mit Homosexualität, und erlebte 691 Afführungen. Es brachte auch zwei filmische Adaptionen hervor: "These Three"(1936) und "Children's Hour" (1961)*.
Ihr nächstes Stück "Little Foxes", eine kühle Studie finanzieller und phsychologischer Konflikte einer Südstaatenfamilie, wurde wohl auch ihr bekanntestes. Man bezeichnete sie als einen "zweiten Ibsen" oder als "amerikanischen Strindberg".
Ihre ganze Karriere hindurch vertrat sie eine durchweg linke politische Meinung und beteiligte sich aktiv an Kampangnen gegen den aufstrebenden Faschismus in Europa. Als Ergebnis ihrer allgemein bekannten politischen Anschauungen wurde sie 1952 beim Kommittee gegen unamerikanische Umtriebe vorgeladen.
Dem Druck des Ausschusses, die Namen ihrer Kollegen mit kommunistischen Kontakten zu nennen,hielt sie folgendes entgegen:
"Unschuldige Menschen zu verletzen,welche ich schon viele Jahre kenne, um mich selbst zu retten, erscheint mir inhuman, unsittlich und unehrenhaft. Ich kann und will nicht mein Gewissen der heutigen Mode unterwerfen, gleichwohl ich vor langer Zeit zu dem Schluß gekommen bin, daß ich keine politische Person war, und in keiner politischen Gruppe eine Heimat finden konnte."
Wegen ihres Wiederstandes kam Hellman auf die Schwarze Liste Hollywoods und bekam unerwartete und unerklärbare Steuerbescheide. Noch schlimmer erging es ihrem Partner Dashiel Hammett, der für sechs Monate ins Gefängniss mußte. Allein und ihrer einzigen Einkommensquelle beraubt, war sie schnell gezwungen, ihr Haus zu verkaufen. Glücklicherweise s chaffte sie es, "Children's Hour" nochmals auf die Bühne zu bringen und verband damit auch ihre Rückkehr nach New York.
Sie begann wieder zu schreiben, u. a. Bühnenfassungen von Anouilhs "The Lark" und Voltaires "Candide" unter Mitarbeit von Leonard Bernstein. Das Thema ihres letztes Stück wurde wieder von Hammett vorgeschlagen, "Toys in the Attic" mit Jason Robards in der Hauptrolle wurde im Februar 1960 uraufgeführt.
Sie blieb auch danach aktiv und unterrichtete kreatives Schreiben an der University of New York, der Yale University und am Massachusetts Institute of Technologie.
Lillian Hellman bekam zahllose Auszeichnungen, u. a. den New York Drama Critics Circle Award Für "Watch on the Rhine" (1941) und für "Toys of Attic" (1960).
Sie starb am 30. Juni 1984 an einem Herzinfarkt.


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Gerücht



Kein anderes Medium löst mit ähnlich geringem Aufwand so viel Wirkung aus, wie ein Gerücht. Ob man will oder nicht, Gerüchte sind und bleiben eine äusserst effiziente Form der Kommunikation. Gerüchte bereiten jedoch ein Problem: Man hat sie nicht unter Kontrolle. d.h. sie kommen einem vor allem dann in die Quere, wenn mehr an ihnen ist als man (wahr)haben möchte. Meistens dann, wenn man sie am allerwenigsten brauchen kann, tauchen sie auf. Marcus Knill in den Schaffhauser Nachrichten


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Es gibt Gerüchte über jeden, wenn man lange genug hinhöhrt
- Kevin Spacey -


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Gerüchte als Medium

Gerüchte sind eigentlich das älteste Massenmedium. Sie füllen Löcher der Kommunikation und sichern den sozialen Zusammenhalt. Höhlenbewohner verbreiteten genau so oft Gerüchte, wie es die heutigen Menschen in Cafeterias tun. Beispielsweise wird von Mitarbeitern vermutet, dass,... . Wahrscheinlich ist es so, dass...
Gerüchte können in die Wirklichkeit eingreifen. Im Zusammenhang mit Mobbing und Bossing können Gerüchte auch benützt werden um Menschen auszugrenzen. Gerüchte werden mitunter gezielt gestreut, um andere zu schädigen, oder um eine Bewegung - für oder gegen etwas - in Gang zu bringen. Gerüchte können sogar zu Kriegen führen. Wenn die lokale Ausbreitung überschritten wird, kann ein Gerücht die ganze Gesellschaft erfassen.
Werden Gerüchte inszeniert, erfolgt die Verbreitung unkontrolliert.Sind sie gestreut, lassen sie sich kaum noch unterdrücken, stoppen oder verhindern.Sie verbreiten sich schneller, wenn Medien als Multiplikatoren mitspielen.
Falls das Gerücht vertraulich ist und nicht weitergesagt werden darf ("Bitte niemandem davon erzählen"), beschleunigt sich die Geschwindigkeit der Verbreitung. Obwohl Gerüchte eine verhältnismässig kurze Lebensdauer haben, können sie sich blitzschnell - wie ein Lauffeuer - verbreiten. Für ein erneutes Aufflammen des Feuers sorgen zusätzliche Informationen oder gezielte Falschmeldungen. Es ist keine Kunst, die Gerüchteküche anzuheizen. Jean-Noel Kapferer - er ist Vorsitzender einer "Stiftung zur Untersuchung und Aufklärung von Gerüchten" und wird auch "Gerüchte Papst genannt" - glaubt daran, dass Gerüchte einer "zwingenden Logik" folgen, deren "Mechanismen sich im Einzelnen analysieren lassen."




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Zum Parkinson-Prinzip

Ein Gerücht ist kein Naturereignis. Cyrill N. Parkinson sagt:
"Wo immer in der Kommunikation ein Vakuum entsteht, werden Gift, Müll und Unrat hineingeworfen."
Der Urheber des Parkinson-Prinzips unterstellt mit obiger Aussage den Gerüchten stets böse Absichten. Dies muss nicht in allen Fällen so sein. Doch trifft Parkinson mit seiner These vom Kommunikationsvakuum sicherlich den Kern des Problems.
Gerüchte sind oft spekulative Antworten auf Fragen, die andere bewegen. Fehlt das Interesse an einer Story, so entsteht gar kein Gerücht.
Werden bestehende Fragen offen, rasch und überzeugend beantwortet, fehlt das Gerücht. Gerüchte entstehen vor allem dann, wenn wichtige Fragen unbeantwortet bleiben.
Weshalb finden die wildesten Spekulationen die grösste Resonanz?

-Gerüchteverbreiter und Zuhörer können sich beide an der "Lust des Dramas” berauschen
-Der "Wissende" kann seine Wichtigkeit geniessen
-Der Zuhörer sieht seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt
-Falls die Menschen das Gefühl haben, sie werden falsch oder unvollständig informiert, entsteht Misstrauen. Die sich daraus entwickelnde Angst ist dann einer der besten Gerüchtebeschleuniger.



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Einblicke in den Gerüchtejournalismus

Zwei gegensätzlich Beispiele von Verhalten in Bagatellfragen passierten im letzten Jahr:

* Der deutsche Bundeskanzler Schröder erreichte, dass nicht mehr behauptet werden darf, er habe gefärbten Haare. Damals hatte Schröder einen Prozess gegen die Agentur ddp gewonnen.

* Sabine Christiansen reagierte bei der Geschichte über angeblich gespritzte Oberlippen mit Schweigen. Die Geschichte versandete und nachher herrschte Ruhe.

Beide Stategieen waren erfolgreich.

* Gerichtliche Interventionen in Bagatellfragen können kontraproduktiv sein, wenn durch die Intervention die Angelegenheit erst recht verbreitet wird.

* Konsequentes Durchgreifen wie in Schröders Fall hatte auch einen positiven Effekt.

Während des Wahlkampfes war das Thema der angeblich gefärbten Haare endgültig vom Tisch. Der "Schuss vor den Bug" in einer Bagatellsache machte die Boulevardjournalisten vorsichtiger.
Bundeskanzler Gerhard Schröder ist nun erneut juristisch gegen Medienberichte über sein Privatleben vorgegangen. Er hatte wiederum Erfolg. Diesmal konnte er Berichte über angebliche Eheprobleme mit einer einstweiligen Verfügung beim Landgericht Berlin stoppen. Es betraf einen Artikel der "Märkischen Oderzeitung" über angebliche Eheprobleme.
Der Artikel enthielt Gerüchte aus dem Privatleben Schröders. Die Intimsphäre des Kanzlers sei verletzt worden und daher dürfe der Artikel nicht mehr verbreitet werden.
Laut "Focus" hat Schröder beim Landgericht versichert, es habe keinen lautstarken Ehekrach darüber gegeben, "dass ich der gemeinsamen Wohnung in Hannover öfter fern bleibe, als es die dienstlichen Verpflichtungen erfordern und mein Nachtquartier schon mal anderswo in der niedersächsischen Landeshauptstadt aufschlage."
Auch dieses konsequente Eingreifen wird bestimmt nachhaltige Auswirkungen bei den Medienschaffenden haben. Journalisten werden künftighin vorsichtiger sein.
Im Fall Schröder wehrte sich zwar die betreffende Zeitung gegen diese einstweilige Verfügung und legte umgehend Einspruch ein. Es wird damit zu einem Prozess kommen. Der Kanzler will sich bis zum Prozesstermin zu dieser Geschichte nicht äussern (Der Prozess ist für den 21. Januar, 12 Uhr, im Saal 143 des Berliner Landgerichtes anberaumt.) Die Geschichte ist somit noch nicht vom Tisch. Bereits griffen andere Medien den Wirbel um Schröders Privatleben auf. Der Berliner "Tagesspiegel" schrieb: "Die Quelle, aus der die Gerüchte sprudeln, wird nicht versiegen. Schröder ist nicht völlig unschuldig. Er hat als erster Spitzenpolitiker seine familiären Verhältnisse als "Waffe der Politik eingesetzt."


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Gut oder Bö(r)se

Das kommt selbst an der Börse nicht alle Tage vor: Innerhalb von Stunden machte die Aktie der Degussa einen Sprung um gleich 15 Prozent nach oben. Nur Stunden später war die Aktie wieder zum alten Kurs zu haben. Was war geschehen? Der aus Indien stammende Frankfurter Biochemiker Prakash Chandra hatte bei einem Treffen mit Frankfurter Bankenbossen darüber gesprochen, dass er an einem Mittel gegen AIDS arbeite und dieses Mittel bei der Degussa getestet werde. Die naturwissenschaftlich offensichtlich unbedarften Banker missdeuteten das nicht nur als einen Durchbruch im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit, sondern erzählten es auch weiter - ein Börsengerücht war geboren. Die Degussa war gezwungen, die überzogenen Hoffnungen zu dämpfen.
Kein Einzelfall: Gerüchte bestimmen das Geschehen auf den Finanzmärkten in einem Maße, dass Laien und selbst die meisten Börsianer kaum für möglich halten. Immer noch hält sich in den Wirtschaftswissenschaften nämlich hartnäckig der Begriff vom "homo oeconomicus", dem "wirtschaftlich denkenden Menschen", der sich ausschließlich von kühl kalkulierender Vernunft leiten lässt und von sonst gar nichts.
Dieser "homo oeconomicus" ähnelt eher einem Mathematiker: seine Welt sind die Kurs-Charts oder die fundamentalen Kennzahlen der börsennotierten Unternehmen. Chartisten versuchen, aus den Aktienkursen der Vergangenheit die künftigen Kurse zu berechnen und Kauf- oder Verkaufssignale abzuleiten. Auch Fundamentalisten möchten die künftigen Aktienkurse vorherberechnen, nur benutzen sie dazu "harte" Zahlen, wie etwa das Verhältnis zwischen dem Kurs einer Aktie und deren Gewinn, die Dividendenrendite oder den für die Zukunft erwarteten Umsatz.
Doch zumindest kurzfristig hängen Kurse häufig nicht von Fakten ab, sondern von Gerüchten. Beispiele der letzten Zeit sind etwa, dass die Großaktionäre des Automobilbauers BMW, die Familie Quandt, ihre Anteile an Ford verkaufen oder dass die HypoVereinsBank die Dresdner Bank übernehmen wolle. Der Pharmakonzern Schering ist sogar schon traditionell immer mal wieder das Ziel von Übernahmegerüchten. Grund genug für den Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Friedrich Thießen, die Rolle der Gerüchte in der Finanzwelt einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. An den Finanzmärkten, so Thießen, sind Gerüchte etwas alltägliches - alle paar Minuten kommt ein neues auf. Nur wenige Gerüchte sind allerdings so bedeutend, dass sie zu heftigen Preisausschlägen führen. Der Markt reagiert darauf meist nach dem immer gleichen Muster: Zunächst bewegt sich der Preis nach oben oder unten, je nachdem, wie der Gerüchteurheber es beabsichtigt hat. Jeder will dabei sein, sei es, um von einem steigenden Kurs zu profitieren, sei es, um einen Verlust zu vermeiden. Darauf folgt ein Phase der Unsicherheit, der Preis verhält sich unentschlossen. Schließlich - oft schon nach Minuten - wird die wahre Natur des Gerüchts erkannt, der Kurs fällt auf sein ursprüngliches Niveau zurück.
Aber warum reagieren die Börsianer überhaupt auf Gerüchte, warum ignorieren sie sie nicht einfach, wo sich doch meist der Kurs schnell wieder normalisiert? Auch darauf hat Thießen eine Antwort: Die Informationen enthalten oft einen Kern von Wahrheit und sie können nur für eine kurze Zeit genutzt werden. Gerüchte setzen daher die Empfänger unter Entscheidungsdruck. Die haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder reagieren sie sofort und springen wie ein Trittbrettfahrer auf - dann hat der Urheber sein Ziel schon erreicht, denn er hat sich ja zuvor mit entsprechenden Papieren eingedeckt, die er mit Gewinn wieder loswerden will. Oder sie reagieren misstrauisch, versuchen an weitere Informationen zu kommen. Dazu telefonieren sie mit anderen Börsianern, verbreiten dadurch ungewollt das Gerücht weiter und steigern so noch seine Wirkung - auch das hat der Urheber einkalkuliert.
Aber warum reagieren die Börsianer überhaupt auf Gerüchte, warum ignorieren sie sie nicht einfach, wo sich doch meist der Kurs schnell wieder normalisiert? Auch darauf hat Thießen eine Antwort: Die Informationen enthalten oft einen Kern von Wahrheit und sie können nur für eine kurze Zeit genutzt werden. Gerüchte setzen daher die Empfänger unter Entscheidungsdruck. Die haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder reagieren sie sofort und springen wie ein Trittbrettfahrer auf - dann hat der Urheber sein Ziel schon erreicht, denn er hat sich ja zuvor mit entsprechenden Papieren eingedeckt, die er mit Gewinn wieder loswerden will. Oder sie reagieren misstrauisch, versuchen an weitere Informationen zu kommen. Dazu telefonieren sie mit anderen Börsianern, verbreiten dadurch ungewollt das Gerücht weiter und steigern so noch seine Wirkung - auch das hat der Urheber einkalkuliert.
Dabei ließen sich manche Gerüchte ohne weiteres als falsch erkennen, wenn die Empfänger nur ein wenig nachdenken würden. So verbreitete 1994 ein Fernsehsender, in Zürich seien 1.240 Tonnen Gold aus dem Besitz des früheren philippinischen Diktators Fernando Marcos entdeckt worden. Klar, dass die philippinische Regierung das Gold zu Geld gemacht hätte, das plötzliche Überangebot hätte die Preise gedrückt. Genau das nahm der Markt vorweg - der Goldpreis brach ein. Kennern war dagegen sofort klar: 1.240 Tonnen Gold, eine derart gigantische Menge - die halbe Weltjahresförderung - hätte selbst Marcos nie und nimmer zusammenraffen können. Logisch, dass der Preisverfall nur kurze Zeit dauerte.
Klar, dass mittlerweile Börsengerüchte auch im Internet verbreitet werden. Das eignet sich wegen seiner Schnelligkeit ganz besonders als Gerüchteküche, und zudem kann dort mittlerweile auch der ganz gewöhnliche Bankkunde im Sekundentakt die Kurse abrufen und sofort mit Kauf- oder Verkaufsaufträgen reagieren. Nicht immer geht es dabei lauter zu: Mitte Februar etwa knackten Hacker die Internetseite einer Biotech-Firma und kündigten dort die Fusion dieser Firma mit einer weiteren an. Nach dieser vermeintlich offiziellen Meldung explodierten die Kurse beider beteiligten Firmen - bis das Dementi kam und die Seite von der Firma geschlossen wurde. Investoren und Händler verloren dabei eine Menge Geld. Ähnliches passierte im vorigen Jahr einer US-Elektronikfirma, wo ein Agestellter sogar die Internetseite einer Finanznachrichtenagentur fälschte und einen Link auf die gefälschte Seite legte, ein klarer Fall von Betrug. Sein Motiv: Er wollte von den steigenden Kursen profiitieren.



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Beispiele

Emulex: Wahrscheinlich einer der Fälle, bei denen größter Schaden entstand, ist der des US-Netzwerkausrüsters Emulex, bei dem durch Online-Betrug innerhalb weniger Stunden eine zeitweilige Auslöschung von 1,7 Mrd Dollar seines Aktienwertes erfolgte. Und dies nur, nachdem ein Student eine fingierte Pressemitteilung mit der Falschmeldung verbreitete, die Firma stelle ihre Erträge neu dar, stehe unter Beobachtung der Securities and Exchange Commission und ihr Generaldirektor sei ausgestiegen.
Pairgain technologies: Der Aktienwert der Firma erhöhte sich um ein Drittel im Gefolge einer Meldung, in der eine Übernahme angekündigt wurde. Das von den Verbrechern geschaffene fingierte Bulletin Board mit der Falschmeldung über die Firma kostete Einzelhandelsinvestoren letztendlich einen Gesamtverlust von 93.000 Dollar.
AgriBioTech: Das Unternehmen hatte sich laut seinem CEO gegen eine koordinierte Aktion gegen Aktienkapital zu behaupten. Aus der Luft gegriffene Gerüchte über eine Beinahe-Pleite aufgrund eines angeblichen Buchführungsbetrugs führten zu Panikverkäufen, wobei der Kurs an einem einzigen Tag um 12,36% fiel. Legitime Analysten sind immer noch dabei, den Wert des Aktienkapitals zu beziffern.



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Die bösen Gerüchte

Lieber Dr. Pfadi,

Ich habe ein (für Sie hoffentlich nicht) unlösbares Problem: Ich werde dauernd Opfer böser Gerüchte. Ich bin so verzweifelt. Ich weiß einfach nicht mehr weiter...Und diese Dinge verbreiten sich so rasend schnell. Ich verstehe einfach nicht, wie das immer passieren kann! Wie kann ich mich vor bösen Gerüchten schützen? Ich zähle auf Sie! Ich möchte aber gerne anonym bleiben, da sonst wieder böse Gerüchte entstehen könnten. Ich hoffe, sie haben dafür Verständnis.

Ihre Anonyme

Ps. Meine Mitsipplinge sowie meine eigenen Sipplinge terrorisieren mich! Schnüff...

Liebe Anonyme,

ich werde ihren Brief selbstverständlich vertraulich behandeln und geheim halten (abgesehen von der Veröffentlichung in der Zeitung). Natürlich habe ich auch eine Lösung für Sie. Sobald sie ein Gerücht hören, tun Sie einfach wirklich das, was das Gerücht besagt. Denn sobald Sie dieses tun, ist es ja kein Gerücht mehr. Sie sehen also: Die Gerüchte haben keine Chance mehr! Sagen sie den Gerüchten den Kampf an! Kopf hoch, Sie schaffen das!!!


Ihr Doktor Pfadi



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Krieg und Terror

11. September:

Eins der ersten Gerüchte war natürlich, das die Illuminaten in die Geschehnisse verwickelt waren. Die Beweise: 11.09.2001 = 11 + 09 + 2+1 = 23 oder 1+1+9+2+0+0+1= 14 = 1+4= 5. W= 23 Buchstabe T = 20. C = 3. macht zusammen 46 durch 2 Türme 23. Die amerikanische Schreibweise des Datums ist 911, der amerikanische Notruf.

312 Säuglinge hatten die Schergen des irakischen Diktators Saddam Hussein angeblich umgebracht. Öffentlich und mit bebender Stimme entrüstete sich der damalige Präsident George Bush: “Die Babies wurden wie Brennholz auf dem Boden verstreut.” Die globale Empörung blieb nicht ohne Folgen. Noch im Sommer 1990 hatten nur 34% der US-Bürger einen amerikanischen Militärschlag gegen den Irak befürwortet. Nach dem Babymord-Hearing stieg die Zustimmungsquote laut einer Umfrage des Gallup-Institute auf 72%.

(Frank Nicilaus, PM 4/2003 zur Babymord-Lüge)

Bild-Schlagzeilen Januar 1991



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Hexenjagd

Die konkreten Hexenjagden wurden zumeist nicht von gelehrten Juristen, Theologen oder den Landesobrigkeiten initiiert, sondern von den Dorfgenossen der Verdächtigten vorangetrieben, entwickelten sich doch Hexereibezichtigungen im Allgemeinen aus dem überschaubaren Kontext dörflichen oder regionalen Zusammenlebens.

Der Verdacht gegen einen Menschen, eine Hexe oder ein Hexenmeister zu sein, bestand oft bereits lange Zeit, bevor er virulent wurde. Das kollektive Gedächtnis speicherte böse Worte, Drohungen, abweichendes Verhalten und damit scheinbar in Zusammenhang stehende Unglücksfälle bisweilen über viele Jahre. Die Furcht vor Verhexung und Schadenzauber durch den Nachbarn oder die Nachbarin konnte in der dörflichen Gemeinschaft aufflackern und wieder abflauen, oft in Bann gehalten durch volksmagischen oder volksreligiösen Gegenzauber. Der erst noch heimliche Verdacht äußerte sich bald in Klatsch und übler Nachrede. Fand er Konsens unter den anderen Dorfmitgliedern, konnte er sich vom allgemeinen Gerücht zur öffentlichen Beleidigung und Anschuldigung steigern. Die von Aggressivität und handgreiflicher Streitlust geprägte Kommunikationsstruktur innerhalb der dörflichen oder kleinstädtischen Gemeinschaften, in denen weniger der materielle Besitz, als vielmehr der unversehrte Leumund und die persönliche wie familiäre Ehre das oberste Gut darstellten, schaffte dabei eigene öffentliche Rituale der Beschuldigung und der Verteidigung.
Die Hexenfurcht konnte sich auf dem Land und manchmal auch in den Städten zu panikartigen, geradezu massenhysterischen Aktionen gegen angebliche Hexen und Hexenmeister steigern, zweifelten doch im 16. und 17. Jahrhundert nur wenige grundsätzlich an der Existenz der Teufelsdiener. Doch den Zeitgenossen war durchaus bekannt, dass sich der Verdacht nicht immer gegen die tatsächlichen, die ‚wahren Hexen' richtete, sondern dass auch Unschuldige - absichtlich oder unabsichtlich - belangt wurden. Diese komplexen Vorgänge ließen alle Möglichkeiten zu, die Prozesse aus egoistischen Motiven zu nutzen. So war es für Menschen, die tief im Teufels-, Hexen- und Wunderglauben ihrer Zeit verwurzelt waren, gleichwohl möglich, Hexereiverdacht zu steuern und Hexenprozesse zu nutzen und zu instrumentalisieren.



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Quellen

www.rethorik.ch, www.knill.com, www.dhm.de, www.tu-chemniz.de, www.tu-chemniz.de/spektrum, www.imagi-nation.com, www.memorablequotations.com, www.gridpatrol.de, www.mysterypage.de



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