"Heiliger Krieg"


Erster Teil der Trilogie "Krieg" von Rainald Goetz

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- Die Feinde unserer Feinde sind auch unsere Feinde -


»Krieg als Festungskrieg in Aktion ist Heiliger Krieg: Welt, Revolution, Bier. Der Kampf geht weiter. / Krieg in der Nacht ist Schlachten: Familie, Kunst, Haß. (...)« In 64 Szenen assoziieren allerlei »mündige Bürger« kurze, phrasenhafte Dialoge und Monologe. Nur drei Personen gehen dabei durch das ganze Stück: Stammheimer, Stockhausen und Heidegger betreiben die Firma RSSS, deren Ziel die Abschaffung der alles vernichtenden Bürokratie ist. Rainald Goetz verlangt den Schauspielern im Heiligen Krieg das gesamte Spektrum verbaler Äußerungsmöglichkeiten ab: vom wortlosen vokalen Gejaule eines Betrunkenen bis zur Stimmenimitation klischeehafter Typen wie dem des linksintellektuellen Lehrers. Goetz demontiert dabei den herkömmlichen Theaterbegriff von der Welt als Bühne: „Welt ist weg / Das Theater ist der Ort / Der Welt nicht hat." Ort, Zeit und Handlung bleiben daher unbekannt.

Rainald Goetz promovierte in Medizin und Geschichte, und ist vielbeachteter deutschsprachiger Autor auch von Romanen und Erzählungen. Die Trilogie „Krieg" (1987/88), aus der auch der Teil Heiliger Krieg stammt, wurde mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet.

Der Jugendclub des Landestheaters hat sich diesem experimentellen Stück Theater mit Lust und in unterhaltsamen Bildern genähert.

Besetzung

Texte zum Stück

Presse

Photos

Proben

Aufführungen






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Besetzung



Inszenierung: Sven Ruppert
Chorseinstudierung: Björn Bobach
Ausstattung: Sven Ruppert, Ensemble
Projiektionen: Peter Molitor
Dramaturgie: Christian Mayer

Stammheimer..............................................Eric Weber
Stockhausen..........................................Helen Cerwenka
Heidegger.........................................Falko Garbisch

Weitere Personen (in der Reihenfolge ihres Auftritts):

Frank..................................................Michael Ebert
Schuss.............................................Constanze Rückert
Erschossener Mündiger Bürger .........................Silvia Weigelt
Handschellengefesselter Kniender Mündiger Bürger.Constantin Eckhardt
Erschießender Soldat ..................................Julian Canosa
Zweiter Exekutionskommando Soldat .....................Michael Ebert
Schauender Mündiger Bürger ..........................Marina Großmann
Schlachtender Mündiger Bürger ...................Constantin Eckhardt
Passierender Mündiger Bürger ....................Katharina Krappmann
Angesprochener Mündiger Bürger .........................Lisa Wegener
Junger Unbekannter Soldat .............................Julian Canosa
Wache Habender Unbekannter Soldat ..............Maximilian Grünewald
Älterer Mündiger Bürger ............................Mirjam Rosenthal
Weiblicher Mündiger Bürger .........................Melanie Bechmann
Unbekannter Soldat ....................................Julian Canosa
Mündiger Bürger ..................................Christine Rauscher
Anderer Unbekannter Soldat .............................Tomas Knödel
Eleganter Mündiger Bürger .........................Constanze Rückert
Wohlriechender Mündiger Bürger .................Maximilian Grünewald
Torkelnder Singender Mündiger Bürger ...........Maximilian Grünewald
Angerempelter Mündiger Bürger ..........................Vanessa Most
Soldat .........................................Maximilian Grünewald
Sitzender Mündiger Bürger ..............................Vanessa Most
Gegenüber Sitzender Mündiger Bürger ....................Evelyn Heinz
Daneben Sitzender Mündiger Bürger ...............Katharina Krappmann
Auch Da Sitzender Mündiger Bürger .................Johanna Berwanger
Weiterer Sitzender Mündiger Bürger ...................Silvia Weigelt
Verhuscht Da Sitzender Mündiger Bürger............. Melanie Bechmann
Anderer Sitzender Mündiger Bürger ...............Constantin Eckhardt
Sinnender Soldat ...............................Maximilian Grünewald
Zarte Nächtliche Luft Witternder Mündiger Bürger .......Buket Daghan
Kritischer Mündiger Bürger .......................Christine Rauscher
Verantwortlicher Angestellter Mündiger Bürger ..........Evelyn Heinz
Hanna ..............................................Melanie Bechmann
Stampfen ..........................................Constanze Rückert
Die Leere ...............................................Mirjam Dick
Teuflisches Gelächter ...........................Constantin Eckhardt
Erster Bürger .........................................Julian Canosa
Zweiter Bürger .....................................Melanie Bechmann
Dritter Bürger .........................................Buket Daghan
Vierter Bürger ..........................................Mirjam Dick
Fünfter Bürger ....................................Johanna Berwanger
Sechster Bürger ........................................Lisa Wegener
Soldat .................................................Tomas Knödel
Mädchen ................................................Vanessa Most
Chorführender Bürger ..................................Julian Canosa
Sehr Trauriger Bürger ..................................Vanessa Most
Der Todesschrei ...................................Constanze Rückert
Flüsternder Bürger ..................................Marina Großmann
Noch Flüsternder Bürger ................................Verena Bauer
Gehender Bürger ................................Maximilian Grünewald
Meldender Bürger ......................................Julian Canosa
Erster Soldat ..........................................Tomas Knödel
Zweiter Soldat ..................................Constantin Eckhardt
Dritter Soldat .............................Maximilian Grünewald

Vierter Soldat ..............................................Philipp Haugwitz
Fünfter Soldat ........................................Julian Canosa
Sechster Soldat .......................................Michael Ebert
Weiblicher Bürger.................................... Silvia Weigelt
Chorführendes Mädchen ..................................Evelyn Heinz
Klage Führender Bürger ...........................Christine Rauscher
Junger Soldat ..........................................Tomas Knödel
Weiser Soldat ...................................Constantin Eckhardt
Liebender Bürger............................... Maximilian Grünewald
Interessierter Bürger .............Hannah Schilling / Lisa-Marie Sax
Torkelnder Bürger ..................................Mirjam Rosenthal
Gehetzter Bürger ................................Katharina Krappmann
Luft ................................................Marina Großmann
Wasser .................................................Buket Daghan
Feuer ..................................................Lisa Wegener
Erde ..............................................Johanna Berwanger
Der Tod ...........................................Constanze Rückert

Sowie:
Chor Der Mündigen Bürger
Chor Der Schwer Bewaffneten Soldaten
Chor Der Jungen Hübschen Mädchen

Technische Leitung: Norbert Ernst - Beleuchtung und Ton: Norbert Benda - Bühne: Ulrich Lüdke - Chefmaskenbildnerin: Carola Elflein - Requisite: Klaus Sauerteig - Leitung der Kostümabteilung: Margareta Gulich, Anna Rudi - Kostümassistenz: Susanne Ijebuonwu - Malersaal: Rainer Schirmer - Schlosserei: Jürgen Binder - Schreinerei: Thomas Müller

Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag

Premiere am 24.05.2006

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Texte zum Stück




„kryptischer, trockener, schweigsamer Anspielungsquatsch“


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"Sie mögen in diesem Augenblick ein
triumphierendes Machtgefühl empfinden.
Aber Sie sollen sich nicht täuschen.
Der Terrorismus hat auf die Dauer keine
Chance, denn gegen den Terrorismus steht
nicht nur der Wille der staatlichen Organe,
gegen den Terrorismus steht der
Wille des ganzen Volkes."

Anm.:
Bundeskanzler Helmut Schmidt wendet sich im Oktober
1977 via Fernsehen an die arabischen Geiselnehmer der
Lufthansa-Maschine Boeing 737 »Landshut«, die mit ihrer
Aktion, die in Stammheim einsitzenden RAF-Häftlinge
freizupressen versuchten.

„KÄMPFEND GEGEN DIE SCHWEINE als
MENSCH FÜR DIE BEFREIUNG DES
MENSCHEN: revolutionär, im kampf –
bei aller liebe zum leben: den tod verachtend.
das ist für mich: dem volke dienend – raf.“

Anm.:
das info nannten die RAF-Häftlinge ihren schriftlichen
Austausch im Isolationstrakt Stammheim in den Jahren
1973-77. Die Schriftstücke wurden über die Post der
Anwälte geschmuggelt. Das obige Zitat stammt von Holger
Meins. Er starb trotz künstlicher Ernährung im November
1974 nach 58 Tagen an Auszehrung. Er wog bei seinem
Tode bei einer Größe von 1,86 m 39 kg.


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Seit dem 5. Oktober 1989 findet in Rostock jeden Donnerstag eine Andacht mit Fürbitte für die Inhaftierten und Informationen statt. Am letzten Donnerstag (19.10.89) fanden gleichzeitig zwei Andachten statt, eine in der Petrikirche und die gleiche in der Marienkirche. Nach Ende der Andacht strömte eine große Menschenmenge von der Petri- zur Marienkirche. Vor der Marienkirche standen dann viele Menschen, die sich in irgendeiner Weise artikulieren wollten, aber nicht wussten, wie. Ca. nach einer halben Stunde bildete das Entrollen eines Transparentes über demokratische Veränderungen den Ausgangspunkt zu einem Demonstrationszug über den Boulevard (Kröpeliner Straße) mit etwa 8000 – 10 000 Menschen. Rufe wie: Schließt euch an; Demokratie – jetzt oder nie; wurden laut. Auch konnte man aus den anliegenden Häusern Sympathiebekundungen beobachten. Vom Schröderplatz bog der Zug in die August-Bebel-Straße ein, wo sich der Gebäudekomplex der Staatssicherheit von Rostock befindet. Die Forderung Stasi in die Produktion wurde immer wieder laut. Am Hauptgebäude versuchten einige Demonstranten die Mitarbeiter der Stasi durch Klingeln an der Eingangstür zum Gespräch zu bewegen. Als keine Reaktion erfolgte, wurden Kerzen an der Tür befestigt und der Demonstrationszug setzte sich fort, am Pressegebäude der Ostseezeitung vorbei zum Rathaus. Es waren Rufe wie Wir sind das Volk und Neues Forum zu hören. Dort verließen wir gegen viertel Zwölf den Demonstrationszug, hörten aber am nächsten Tag, dass er sich nach und nach friedlich aufgelöst habe.
Mirjam Berger und Alexander Schenk


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LEXIKON DER TITEL

Presto – schnell zu spielendes Musikstück
Confiteor – lat.: 1. zu gestehen/bekennen/anerkennen 2. zu erkennen geben/offenbaren
Songs the lord told us – Album der Band Cramps „Songs the lord taught us“
Fun in Acapulco – Film mit Elvis Presley, 1963
Who`s been sleeping in my brain – Album der Band Alien Sex friend, 1983
Pax tecum – lat.: Friede sei mit Euch
Et spiritus sanctus – lat.: und der heilige Geist
Aktis Aeliou – u.a. Name eines Theaterstudios in Thessaloniki, Griechenland
Texas Chainsaw Massacre – Horrorfilm (dt.: Blutgericht in Texas), 1974
Welcome to the pleasure dome – Liedtitel der Band Frankie goes to hollywood [Untertitel von Goetz KRIEG]
Orbis sensualium pictus – lat.: die sichtbare Welt / Aller vornehmsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbild und Benahmung; Lehrbuch zur Erlernung der lat. Sprache (Nürnberg 1658)
Discours de la méthode – franz.: Gespräch über/Abhandlung zur Methode
Und brennen ließ sie ihm aus Helm und Schild ein unermüdliches Feuer – Textzeile vermutlich aus „Der Schild des Herakles“ von Hesiod
Paisley Park – u.a. Name des Aufnahmestudios von PRINCE Koda – Schlussteil eines Musikstücks
Wacht auf Verdammte dieser Erde – „…die stets man noch zum Hungern zwingt!“ Erste Textzeile der „Internationale“ (sozialistisch/kommunistische Arbeiterhymne)


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NEUE MASSEN

§ 1 DE POPULO


Das Volk weiß, was es will, nimmt sich, was es braucht, liebt, was gut ist, und verwirft das Schlechte. Das Volk hat immer recht. Das kollektive Volksgedächtnis arbeitet exakt selektiv, es bedarf keiner Erinnerung, denn es trägt immer innen in sich, was je groß, stark, wahr, also der Fortschritt gewesen ist. Die Ästhetik des Volkes ist erbarmungslos natürlich, also Kampf, entschlossen, klar, inhuman, vital. Wer das Volk nicht versteht, versteht nichts von der Welt.
Zusatz 1
Das Volk ist nicht Die Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse ist nur der Lieblingsfetisch ihres ersten Feindes, des Bürgertums. Das Volk ist Abstraktion wie Der Staat, dessen natürlicher Antipode es ist. So ist das Volk der logische Staatsfeind. Sein Kampf ist Klassenkampf. Das Mittel dieses Kampfes ist Gewalt. Sein Ziel Revolution.
Zusatz 2
Privat gesprochen, vom Klassenstandpunkt des Bürgers aus: Das Volk ist der Name der Abstraktion von der Summe der Momente der Kraft der Wahrheit der Weisheit der Dummheit, also der Erschütterung und Rührung.

Rainald Goetz


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„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland
treu zu dienen und das Recht und die Freiheit
des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“
Anm.:
Das Feierliche Gelöbnis ist ein Vorgang in der Bundeswehr,
bei dem wehrpflichtige Soldaten sich zu ihrer Grundpflicht
bekennen und geloben.

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des
deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren,
Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und
die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen,
meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und
Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.
(So wahr mir Gott helfe.)“
Anm.:
Die Eidesformel des deutschen Bundespräsidenten, Bundeskanzlers
und der Bundesminister nach Art. 56 (und Art. 64)
GG. Der Eid wird vor den versammelten Mitgliedern des
Bundestages (und beim Bundespräsidenten zusätzlich vor
den Mitgliedern des Bundesrates) abgehalten.


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Der Begriff Heiliger Krieg bezeichnet einen aus angeblichen oder tatsächlichen religiösen Motiven geführten Krieg.

Er geht zurück auf die Befreiungskriege (1813 – 1815). Romantische Religiosität und das Pathos des Freiheitsdrangs von der Napoleonischen Besetzung Deutschlands verbanden sich zur idealistischen Losung von einem Krieg als Erlösungswerk. Die Idee vom gottgewollten Krieg im Christentum ist jedoch älter. Schon der Kirchenlehrer Augustinus sprach in seinem Werk De civitate dei (Vom Gottesstaat) diejenigen von der Verletzung des fünften Gebotes frei, die einen Gott geschuldeten Krieg führen (lat. bellum deo auctore).

Der Erste Weltkrieg wird von Militärpredigern enthusiastisch als „heiliger deutscher Krieg” gefeiert, die Zeit des Krieges sei eine „heilige Zeit”, während der von deutschen Soldaten „heiligstes Blut” vergossen werde. Dieser „große, heilige Krieg” solle dem Guten zum Sieg gegen das Böse verhelfen. Ebenso sehen die französischen Theologen und Intellektuelle im Krieg gegen Deutschland einen „Kreuzzug für das Reich Gottes, für christliche Glaubensreinheit und Sittlichkeit”. Obendrein sieht das katholische Frankreich sich herausgefordert zum Kampf gegen das sich protestantisch gebende Deutschland. „Die französischen Soldaten fühlen mehr oder weniger ausdrücklich, aber bestimmt, dass sie Soldaten Christi und Mariä sind, Verteidiger des Glaubens, und dass französisch sterben soviel heißt als christlich sterben”. Wenn deutsche Kriegsprediger die „Auserwähltheit des deutschen Volkes” hervorhoben, erklärten die französischen Militärgeistlichen Frankreich zum „auserwählten Volk Gottes, der ältesten Tochter und treuen Dienerin der heiligen Kirche”.

In England dient das Bild eines rächenden, geschichtsmächtigen Gottes zum Anwalt englischer Interessen. Auch hier feiert man in Predigten, Presse und Literatur den Krieg mit Deutschland als „heiligen Krieg”, und England vernichtet in göttlichem Auftrag den Feind der christlichen Zivilisation.

Für die Position Deutschlands im Zweiten Weltkrieg formulierte Joseph Goebbels programmatisch: „Und wir gehen in diesen Kampf wie in einen Gottesdienst”. Der britische Außenminister Lord Halifax erkannte im Dritten Reich eine Gefahr für das Christentum und propagierte den Heiligen Krieg („Holy War”) gegen Deutschland. In der Sowjetunion dichtete Alexander W. Alexandrow, (1883- 1946) im Jahr 1941, nach dem deutschen Überfall, das Lied der Roten Armee Swjaschtschennaja Woina „Der heilige Krieg”.

Im 3. Golfkrieg sehen die USA einen Kreuzzug gegen die Achse des Bösen. Eine Operation wurde zunächst mit dem apokalyptisch aufgeladenen Titel „Infinite Justice” versehen. Umgekehrt sehen viele Muslime in dem US-amerikanischen Krieg eine Neuauflage der Kreuzzüge gegen die islamische Welt, dem sie sich mit der aus dem Koran entnommenen Vorstellung vom Heiligen Krieg des Dschihad entgegenstellen.

Im Islam hat das Wort Dschihad vor allem die Bedeutung militärische Bekämpfung der „Ungläubigen”, was man seit dem 19. Jahrhundert konventionellerweise mit „Heiliger Krieg” übersetzt hat.


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Es ist die Zeit der frühesten Jugend, der ersten radikalen Liebe, die für einen Moment alles noch so Disparate zusammen zwingt: Sex, Leidenschaft, Liebe, Ich, Du, Tod, Die Ganze Welt. Plötzlich spricht die Natur zu einem in einer extremen Sprache, so extrem, daß man sie sofort versteht. Und diese heilige Kraft, die man in sich spürt, alles wahr zu machen, was man will, daß alles gut wird. Ich will daß alles anders wird, das Falsche und Schlechte soll weg und für das Richtige und Gute möchte ich jeden Kampf kämpfen. Es ist die Zeit der Politisierung, total, diffus, kompromißlos und aufs Ganze, und es ist die richtige Zeit, alle Drogen zu nehmen oder Gedichte zu schreiben. Denn es ist die Zeit für Tiefsinn, düstere Choräle, Schmerzen, Schreie, Wimmern. Lebenslust fühlt sich an wie Todeswunsch, und all das ist nicht psychologisch zu erklären, nicht physiologisch, das ist Physik. Es ist alles ein solches Kuddelmuddel und zugleich ganz klar: Du bist soo stark. Nimm dir, was du willst.

Rainald Goetz


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Am 24.5.1954 wurde ich in München geboren. 5 Jahre Volksschule, dann Gymnasium, ein Jahr in den USA. Abitur machte ich 1974 in München. Im Herbst 1974 begann ich an der Ludwig Maximilians- Universität in München das Doppelstudium der Medizin und Geschichte. Im Winter 1977/78 befand ich mich zu einem Studienaufenthalt in Paris und schrieb dort meine althistorische Dissertation. Im Sommer 1978 wurde ich zum Dr. phil. promoviert. Im Herbst 1981 legte ich das 3. Medizinische Staatsexamen ab und wurde als Arzt approbiert. Seit 1976 literaturkritische und essayistische Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften. Seit Winter 1979 DAMAGE. 1980 sehr viel Bier und Blut. 1981 Freizeit 81, LIPSTICK, Tempo Tempo, Anarchie. Derzeit Frechheit 82, es geht voran, aufwiedaschann.

Rainald Goetz' selbst erstellter Lebenslauf


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Quellen:

Goetz, Rainald: Hirn. Frankfurt a. M. 1986 • Das info – Briefe der Gefangenen der RAF 1973-77. Hrsg. v. Pieter H. Bakker Schut. München 1987 • www.jugendopposition.de • www.wikipedia.de

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