"Männer und Frauen" von Moritz Rinke

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- Hannes Horneber, Sebastian Grünewald - Premiere: 2. Juni 2001



Versuch einer Inhaltsangabe

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Proben

Aufführungen






Versuch einer Inhaltsangabe


Gottvater ist müde und will sich nicht mehr länger um die Erde kümmern. Lediglich der junge, sympathische und strebsame Gehirnforscher Martin Goldmann ist ihm noch ein Anliegen. Dieser kommt mit den Frauen nicht so recht klar. So aber schickt Gottvater einen Engel auf die Erde, der Goldmann bei seiner Frauensuche unterstützen soll, und wehe, wenn es ihm nicht gelänge...

Goldmann darf wählen und ausprobieren, wen er will. Eine dorische Frau in Stuttgart, eine ionische in Berlin...

Natürlich geht dabei eine ganze Memge schief. So einfach läßt sich Liebe nun einmal nicht erzwingen. Schon gleich garnicht, wenn zwei derart (Welt)-Fremde sich auf die Suche nach dem Irdischen Glück begeben. Eine Absurde und amüsante Reise durch deutsche Städte, deutsche Wohnzimmer und jede Menge Berg- und Talfahrten der Gefühle. Und am Ende kommt natürlich alles ganz anders, als man erwartet hatte.


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Besetzung



Inszenierung - Peter Molitor

Bühnenbild - Peter Molitor / Sven Ruppert

Kostüme - Esther Krämer

Regieassistenz - Josefine Richter

Inspizienz - Josefine Richter

Souffleuse - Kerstin Kroner

Plakat - Anne Wittmann

Gescannt von - Dieter Holzberger

Musikauswahl - Sven Ruppert

Dias - Timo Knauer



Martin Goldmann - Hannes Horneber

Heinrich - Sebastian Grünewald

Der schöne Fremde /
Der Mann mit dem Gefrierkühlkoffer /
Angelo Hoffmann
- Sven Ruppert

Dagmar Schönfeld - Kilu v. Prince
Natalie - Ramona Petrov
Jenny - Elisabeth Fromme

Die Verlorene - Amelie v. Grundher

Jürgen Rühlmann - Simon Klüpfel
Susanne - Rilana Hofmann

Marie /
Die Prostituierte
- Lisa Fischer

Die Frau mit der Baseballmütze - Katharina Häs

Die Touristin - Kathrin Skiba

Der gebildete mit Hut - Volker Wirth

Der Mann im Rollstuhl /
Die Stimme aus der Ferne
- Till Oppel

Der Anrufbeantworter - Ellen Baier

Technische Leitung: Norbert Ernst - Beleuchtung: Norbert Benda- Bühne: Ulrich Kaiser - Ton: Norbert Benda - Chefmaskenbildnerin: Elvira Fischer- Requisite: Klaus Sauerteig - Bühnenbild und Kostüme wurden in theatereigenen Werkstätten hergestellt. Ausstattungsleitung: Andreas Rank - Vorstand des Malersaals: Marit Gubalke/Rainer Schirmer - Schlosserei: Jürgen Binder - Schreinerei: Thomas Müller, Karl Korn, Rainer Griebel - Leiterin der Kostümabteilung: Isolde Lehofer - Kostümbildassistentin: Evelyn Preikschat - Gewandmeisterinnen: Anna Rudi/Margareta Gulich

Uraufführung: 23.04.1999 im Ballhof / Hannover

Premiere: 02.06.2001
20.00 bis ca. 22.15 Uhr
Pause nach dem 8. Bild

Impressum: Landestheater Coburg - Intendant: Norbert Kleine-Borgmann - Spielzeit 2000/2001 - Programmheft zu Moritz Rinke "Männer und Frauen" - Redaktion: Peter Molitor - Gestaltung: Peter Molitor - Plakat zu "Männer und Frauen": Idee und Umsetzung: Anne Wittmann - Druck: DCT


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Texte zum Stück



Moritz Rinke


Moritz Rinke, geboren 1967 in Worpswede. Studium von »Drama, Theater, Medien« in Gießen. Er begann mit Texten für die »Süddeutsche Zeitung« und »Theater heute«. Von 1994 bis 1996 arbeitete er als Volontär in der Redaktion des »Tagesspiegel« in Berlin. 1996 wurde sein erstes Stück, »Der graue Engel«, im Schauspielhaus Zürich Uraufgeführt und auch im Rahmen der Autorentheatertage in Hannover präsentiert. Für sein zweites Stück »Der Mann, der noch keiner Frau Blöße entdeckte« (Uraufführung 1999 am Staatstheater Stuttgart) erhielt er 1997 den Dramatikerpreis des PEN-Clubs Liechtenstein. Das Stück (der erste Teil der »Trilogie der Verlorenen«) wurde in einer weiteren Aufführung der Städtischen Bühnen Münster zu den diesjährigen Mühlheimer Theatertagen eingeladen und kommt in diesem Jahr noch am Deutschen Theater in Berlin heraus. »Männer und Frauen« ist der zweite Teil der »Trilogie der Verlorenen«. Der dritte Teil wird voraussichtlich für das Thalia-Theater Hamburg geschrieben. Ein weiteres Stück »Das Stockholm-Syndrom« wird im Mal 1999 am Schauspiel Bonn uraufgeführt. Rinke lebt als freier Autor in Berlin und arbeitet derzeit an an einem Nibelungen-Festspiel, das 2001 in Worms auf dem Domplatz aufgeführt werden soll.


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Auf dem Weg zum Stück

Ich schreibe also jetzt eine Auftragskomödie mit dem vorläufigen Titel Frauen und Männer, vielleicht auch Männer und Frauen, das klärt derzeit die Lizenzabteilung für Titelrechte, weil es vielleicht irgendwo einmal eine ähnlich genannte Tragödie gegeben hat. Frauen und Männer oder Männer und Frauen ist ein ziemlich konkreter Titel, jeder weiß sofort, was gemeint ist und was den Autor ganz konkret beim Schreiben seiner Komödie beschäftigt haben muß. Für mich persönlich ist aber der Titel momentan das einzig Konkrete, was mir geblieben ist. Gestern stand ich vor meinem gelben Reclam-Regal mit der abendländischen Dramenliteratur.[..]

Wo sind eigentlich die männer- und frauenlosen Stücke? Sind die denn alle tatsächlich von Brecht, weil der dies Thema irgendwie privat bearbeitete?[...]

Vor ein paar Tagen stand ich in der Buchhandlung. »Haben Sie Bücher über Beziehung?« fragte ich. »Ja«, sagte die Buchhändlerin, »der ganze zweite Stock.«

Hier nun erst einmal eine Auswahl meiner Lieblingstitel aus dem zweiten Stock:
Das dialektisch-emanzipatorische Prinzip der Psychoanalyse und seine Konsequenzenzen für die tiefenpsycologische Therapie (Suhrkamp), Männer sind anders. Frauen auch (Goldmann), Klientenzentrierte Psychotherapie mit Paaren (Kohlhammer), Die Wahrheit beginnt zu zweit (rororo), Machiavelli für Frauen. Strategie und Taktik im Kampf der Geschlechter (Krüger), Du kannst mich einfach nicht verstehen. (Goldmann). Ich werde einfach mal alle Bücher lesen und demnächst an dieser Stelle weiter berichten.[...]

Was sind eigentlich die bestimmenden Themen des neuen Dramas, das derzeit sehr stark mit Großbritannien in Verbindung gebracht wird? Man kann sie vielleicht in drei Komplexe zu einer britischen Triade zusammenfassen: 1. Ficken. 2. Bumsen. 3. Vögeln.
Das sind eigentlich sehr schöne Themen. Allerdings werden sie im neuen Drama nicht bis zum Ende hin durchvariiert, weil sie noch von einer weiteren Triade, einer britischen Triade der Bedrohung, dramaturgisch kontrastiert werden. 1. Schwanz abschneiden. 2. Möse abschneiden. 3. Beides abschneiden.

Nun ist ja für jemanden, der ein deutsches Stück mit Männern und Frauen schreiben soll, damit schon eigentlich alles gesagt. Zwischen 1. Ficken oder 2. bumsen beziehungsweise 3. beides abschneiden, scheint ja die ganze Bandbreite der dramatischen Geschehnisse schon ziemlich abgegrast zu sein. Welche Zwischenstufen bleiben noch? Und was soll man nach 3. beides abschneiden eigentlich noch weitererzählen? Ich denke, danach wird es irgendwie schwierig. O.k. Das Thema dieser Kolumne ist eindeutig: Es ist nämlich so sauschwierig, etwas an diesen skizzierten Triaden vorbeizuerzählen, die ja heute synonym sind mit jung, wild, neu und next, den Attributen einer Kritik, die das Theater nur noch von den extremen Reiz- und Endpunkten her beschreibt. Die Welt ist auf dem Theater darstellbar, wenn beides abgeschnitten wird. (Brecht, frei nach Organon). Oder einfacher. Ficken ist aristotelisch.[...]

Neulich stand ich in der Berliner Schaubühne an diesem Büchertisch (ich gehe immer sehr gerne in die Schaubühne zum Büchertisch ...) und dann lag da ein Buch über die Theorie der Komödie, mindestens 500 Seiten. Ich habe reingeguckt und schnell wieder zugeklappt. Ich will es gar nicht wissen, ich glaube, es funktioniert auch nicht mehr. Ein sehr gutes Modell war ja immer, daß die Figuren, die komisch sind, dies am allerwenigsten wissen. Aber stimmt das noch - abgesehen davon, daß Tschechow und Woody Allen wunderbar und als eigene Gattung ein Stück Abendland sind? Ich glaube, die Erzählerhaltung wird offensiver im Sinne: Das Scheitern, die Tragödie eher im totalen Fake verkaufen, um darin zu versuchen, die Traurigkeit aufzulösen. Oder wie ist das - anders herum - mit den Amokläufen und den täglich tragischen Katastrophen, deren Grausamkeit in den Medien abgefangen, weil als Konsum genießbar gemacht werden? Löst sich da nicht die Tragödie automatisch auf, weil sie mir als Ware geboten wird? Klingt moralisch, will aber nur daraufhin hinaus: das Tragische kippt. Was ist ein Massenmord in Bosnien gegen eine Anmoderation von Ulrich Wickert? (Pulp Fiction und Natural Born Killers haben das, glaube ich, gut beantwortet.) Oder was die Komödie betrifft: Wenn ich Karl Dall wäre (der ja synonym ist für eine große, deutsche Menschengruppe), dann würde ich auch noch mal extra aufs Tempo drücken. Scherz beiseite. Der Trend, das eigene, komisch Absurde immer mehr zu genießen und zwar als einzig passende Lebensform in der Welt, ist nicht nur eine Erfindung des Showgeschäfts.[...]

Das Jahr 1998 war ein Jahr, in dem es in Deutschland bei einem Durchschnitt von 14 Grad die meiste Zeit regnete, die SPD 40,9 Prozent der Stimmen erreichte und Ignatz Bubis 62 Tage mit Martin Walser stritt. Okay, das klingt nicht besonders dramatisch, aber mehr fällt mir zum Thema »Das dramatische 1998 in Deutschland« einfach nicht ein.[...]

Ich wollte dann ein Dramolett mit dem Titel Die Gegenwartsdramatik schreiben und kaufte mir alle gesellschaftspolitischen Rückblicke, die in Magazinen zu 1998 in Deutschland erschienen sind.[...]

Dann dachte ich, vielleicht könnte man das Dramolett mit dem Satz eines Menschen beginnen, der zu einer der wichtigen deutschen Lichtfiguren 1998 wurde. Nach dem 0:3 gegen Kroatien sagte GÜNTER NETZER in der ARD: »Von den Deutschen gehen zu wenig Impulse aus« - worauf ich das Dramolett erweiterte auf das Dramatische 1998 WELTWEIT! Thema: Die tragische Vernetzung von Lewinsky, den Bomben auf Bagdad und dem Schlag von Hillary Clinton ins Gesicht ihres Mannes wenige Stunden nach den Abstimmungen zum Amtsenthebungsverfahren, wie die Londoner Times berichtete. Das wäre ein gutes Personal: 1 HILLARY will sich an ihrem Mann rächen, dafür, daß sie bald nicht mehr First Lady ist, und trifft sich in Gegenwart eines TIMES-Reporters mit SADAM zum Geschlechtsverkehr (doppelte Gegenwartsdramatik!). Dann kommt plötzlich LEWINSKY dazu, die sich bei SADAM um eine Praktikantenstelle bewerben will. Das klingt albern, ist aber Realismus.[...]

Heute habe ich das Stück zur Post gebracht, in dem sich jetzt 10 Hauptfiguren sowie 6 weitere Personen befinden. Es ist ihre erste Reise und ich hoffe, es geht niemand unterwegs verloren..
Das wäre ja was. Ein Autor schickt sein Stück an das Theater. Einige Tage später,[...] ruft endlich der Dramaturg an und sagt, es gefalle ihm. Der Autor jubelt und fragt,[...] wen er denn zum Beispiel mit der Figur der Verlorenen, der Protagonistin der Liebe, besetzen würde, aber plötzlich sagt der Dramaturg: »Welche Verlorene«? Dann entsteht ein kurzes Schweigen, in dem der Autor sofort wieder völlig neurotisch wird und glaubt, der Dramaturg denkt, daß er mit einem ganz anderen Autor telefoniert [...], aber dann wird klar: Der Dramaturg hat das richtige Stück gelesen, aber es fehlt definitiv die Verlorene.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Purple Rose of Kairo von Woody Allen. Da läuft nämlich eine Figur aus dem Film ins Publikum weil sie einfach keine Lust mehr hat, in dieser idiotischen Handlung mitzuspielen. Heute habe ich mir den ganzen Tag vorgestellt, daß die Verlorene einfach aus meinem Stück weggelaufen ist, nicht, weil die Handlung so idiotisch ist, nein, nein, das ist sie wirklich nicht, sondern weil die Verlorene so allein ist mit ihren Sehnsüchten und Träumen und zärtlichen Bildern. Aber wo ist sie jetzt? Hat sie sich irgendwo aus dem fahrenden Postauto gestürzt? Oder sitzt sie jetzt wieder irgendwo zwischen Berlin und Hannover und wartet auf den einen Menschen, der sie erkennt, der durch das, was sie scheint, hindurchsieht auf den Grund.

Der Dramaturg hat natürlich sofort den Theaterdirektor alarmiert und gesagt, dem neuen Stück sei sensationellerweise eine Figur entlaufen. Der Theaterdirektor begrüßte diesen Vorgang, weil das ja jetzt alles etwas billiger wird. Man muß wissen, daß die meisten Theaterdirektoren ja immer erst mal bei jedem neuen Stück fragen: Wieviel mal »H« (Herren) und »D« (Damen) und wieviel mal »Dek« (Dekorationen).
Naja, aber in diesem Fall ordnet der Theaterdirektor an, daß die Figur in das Stück zurück muß und der Autor 42 Stunden Zeit hat, sonst platzt die Uraufführung.

Jetzt habe ich mir vorgestellt: Der Autor auf der Landstraße zwischen Berlin und Hannover, es regnet in Strömen, im Scheinwerferlicht sieht er, wie die Wassermassen herunterfallen, der Wind weht Äste und Laub auf die Landstraße und plötzlich eine Person am Rande. Der Autor fährt langsamer, versucht die Scheinwerfer auf die Person zu richten und plötzlich weiß er, daß dies nicht seine Figur ist. Er denkt noch kurz darüber nach, daß der hagere Mann in den hohen Stiefeln und mit den langen Haaren, der mitten auf der Landstraße durch die Nacht lief, so aussah, wie er sich immer den Werther von Goethe vorgestellt hat.[...]

In einem kleinen Dorf bei Wolfsburg hält er morgens um fünf vor einer Imbißstube an, weil er sieht, wie eine Frau einem Mann von hinten auf die Schulter tippt, dann aber plötzlich wegläuft, als der Autor die Scheinwerfer genau auf die Imbißstube richtet.

Er hat noch 16 Stunden Zeit.


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Neurologie

Das Gehirn lässt sich nicht kopieren

Lassen sich der menschliche Geist, das menschliche Bewußtsein und unser Erleben insgesamt technisch simulieren? Diese Frage bewegt Computerwissenschaftler und Hirnforscher in gleicher Weise, doch ihre Antworten fallen sehr unterschiedlich aus. Da behauptet etwa der Computerwissenschaftler Ray Kurzweil, das menschliche Gehirn sei bis zum Jahr 2029 vollständig analysiert und auf künstliche neuronale Systeme übertragbar. Das hört sich beindruckend an, ist aber einfach Quatsch. Oder höflicher formuliert: Wissenschaftliche Aussagen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie eine eine rationale Basis haben. Kurzweils These ist in diesem Sinne kaum als wissenschaftlich zu bezeichnen. Um zu versehen, warum sich das Gehirn nicht so einfach kopieren lässt, wie Kurzweil meint, ist es wichtig, einige grundlegende Dinge über dieses äußerst komplexe Organ zu wissen.

Schon seit dem letzten Jahrhundert gehen Forscher davon aus, dass bestimmte Fertigkeiten wie Sprachverständnis, Gesichtserkennung oder Bewegungssteuerung jeweils in lokal begrenzten Modulen im Gehirn repräsentiert sind. Selbst wenn wir annehmen, dass es lediglich 100 dieser Module gibt und nur berücksichtigen, ob ein Modul aktiv ist oder nicht, ergeben sich daraus immer noch ungefähr 1030 mögliche Funktionszustände im Gehirn. Auch bei einem so vereinfachten Modell des Gehirns besteht deshalb das Problem, zunächst einmal sinnvolle Beschreibungsformen für die enorme Vielfalt möglicher Systemzustände zu finden. Sinnvoll heißt in diesem Zusammenhang, dass nicht einfach jedem einzelnen Zustand eine 100-stellige binäre Zahl zugeordnet wird, sondern dass Zusammenhänge zwischen den Systemzuständen berücksichtigt werden. Diese Aufgabe ist eine große Herausforderung und von Biologen und Psychologen allein auch nicht zu lösen. Doch mit Hilfe kreativer Mathematiker und einer Kombination unterschiedlichster Messverfahren könnte es irgendwann sogar gelingen, das Gehirn auf der modularen Ebene zu erfassen und zu beschreiben.

Kurzweil geht jedoch mit seiner Prophezeiung weit über das eben Gesagte hinaus. Denn für die von ihm geforderte vollständige Analyse des Gehirns muss neben der modularen auch die neuronale Ebene berücksichtigt werden. Auf dieser Ebene haben wir es dann allerdings nicht mehr mit 100 Einheiten, sondern mit zirka einer Billion Nervenzellen zu tun, die jeweils mit 10.000 anderen Neuronen verbunden sind. Ein derart komplexes System zu beherrschen, ist schlicht jenseits aller mathematischen Möglichkeiten.[...]

Gerade die Künstliche-Intelligenz-Forschung (KI) neigt dazu, das biologische Vorbild zu unterschätzen. So besagt eine der Grundannahmen in der KI-Forschung, dass eine Simulation des menschlichen Geistes schon allein dadurch möglich sei, dass man bewusst erfahrbare Repräsentationen - also alles, was sich in Worte fassen lässt, aufschreibe und so explizit gemachten Regeln und Wissensrepräsentationen auf einen Computer übertrage. Tatsächlich können wir aber die Frage, ob sich das Gehirn mit siliziumbasierten Systemen vollständig nachbilden ließe, zurzeit weder bejahen noch verneinen, da wir die molekularen und biophysikalischen Randbedingungen für die Entstehung von bewussten Zuständen nicht kennen. Sicher ist, dass Silizium andere physikalische Eigenschaften besitzt als Kohlenstoff. Ob diese Unterschiede jedoch relevant sind für die Nachbildung des menschlichen Gehirns und all seiner Eigenschaften, weiß zurzeit niemand. Der ganze Diskurs über Künstliche Intelligenz ist unter anderem deswegen so wenig ergiebig, weil zentrale Begriffe nicht geklärt sind.

Speziell beim Thema Bewusstsein gibt es viele Missverständnisse. Eigentlich sollte dieser Begriff verboten werden, da er weder in der Hirn- noch in der KI- Forschung etwas zu suchen hat. Die meisten amerikanischen Kollegen gehen davon aus, es gäbe eine feststehende Größe Bewußtsein und man müsse nur die physikalischen Grundlagen dafür bestimmen. Sei stehen damit in der Tradition des cartesischen Rationalismus, das heißt, sie nehmen einfach einen Begriff und messen ihm Realität zu. Die große Gefahr dabei ist, dass man durch bloße Begrifflichkeiten, die sich in unserer Tradition entwickelt haben, verführt wird und diese nicht mehr hinterfragt: Nur weil alle von Bewußtsein reden, ist noch lange nicht klar, was damit gemeint ist, beziehungsweise, ob es so etwas wie "das Bewußtsein" überhaupt gibt. [...]Als Hirnforscher untersuche ich die Struktur von Wahrnehmungs- und Gedächtnisabläufen. Dabei habe ich festgestellt, dass das Gehirn eine Arbeitsplattform von jeweils zwei bis 3 Sekunden bereitstellt, innerhalb derer Informationen verarbeitet werden. Alles, was in diesem Drei-Sekunden-Fenster eine Repräsentation besitzt, die im Prinzip mittelbar ist, bezeichne ich als den jeweiligen Zustand "bewußt". Bewusstsein ist damit keine Substanz mehr, sondern eine Aneinanderreihung bewusster Zustände. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nun muß man nicht mehr nach dem Sitz eines wie auch immer gearteten Bewusstseins an sich gesucht werden, sondern konkret nach zeitlichen Strukturen, die die Grundlage für die Repräsentation jeglicher Form des Wissens bilden.

Viele Entscheidungsprozesse laufen allerdings auch völlig unbewußt ab. Deshalb habe ich das Kriterium der Mittelbarkeit zum spezifischen Merkmal von bewussten Innenzuständen gemacht. Ob diese Mitteilungen sprachlich, schriftlich, gestisch oder auf anderen Wegen gemacht werden, spielt keine Rolle. Anhand dieser Definition lässt sich nun auch die Frage beantworten, wer oder was tatsächlich über bewusste Innenzustände verfügt.

So ist das Drei-Sekunden-Fenster der Kommunikabilität nicht allein dem Menschen vorbehalten, sondern generell ein Merkmal aller höheren Säugetiere. [...] Doch bei den Inhalten, die jeweils im Bewußtsein repräsentiert sind, unterscheiden wir uns natürlich sehr von den Tieren. Computer wiederum erfüllen die formalen Randbedingungen mentaler Aktivitäten bislang nicht - und es ist aus den oben genannten Gründen auch nicht absehbar, wann dies der Fall sein könnnte.[...]



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Götter

Andromache

Andromache ist die Frau des Trojaners Hektor. Sie betrauert den Tod Hektors tief. Nach der Eroberung Trojas wurde sie Sklavin des Neoptolemos. Ihr Sohn Astyanax wurde von den Griechen getötet. Nach dem Tode des Neoptolemos vermählte sie sich mit ihrem Schwager Helenos.

Atalante

Atalante ist ein berühmte schöne Jägerin. Sie beteiligte sich an der Kalydonischen Jagd und erhielt von Meleagros das Fell des Kalydonischen Ebers geschenkt. Atalante besiegte alle Freier im Wettlauf und tötete sie. Erst Hippomenes gewann gegen sie, da er beim Lauf drei goldene Äpfel fallen ließ. Atalante bückte sich nach den Äpfeln und unterlag deshalb.

Demophon

Demophon ist Sohn des Keleos von Eleusis und der Metaneira, Bruder des Triptolemos. Demeter wollte den kleinen Demophon unsterblich machen, wurde aber von der Metaneira gestört.

Hektor

Hektor ist der erstgeborene Sohn des Priamos und der Hekabe. Er war mit Andromache vermählt. Er ist Vater des Astayanax. Im Trojanischen Krieg war er der Anführer der Trojaner. Er tötete Patroklos im Zweikampf und fiel von der Hand des Achilleus. Hektors Leichnam band Achilleus an seinen Streitwagen und schleifte ihn zum Lager. Hektors Vater konnte den Leichnam durch einen Bittgang (unter Begleitung von Hermes) zu Achilleus auslösen.

Menelaos

Menelaos (oder Meneleos) war jüngerer Sohn des Atreus (daher Atride genannt) und der Aërope, Bruder des Agamemnon und der Anaxabia, vermählt mit Helene. Er erhielt von seinem Schwiegervater Tyndareos die Herrschaft von Sparta. Als Paris Helene entführt hatte, zog Menelaos mit einem Griechenheer unter Führung seines Bruders Agamemnon gegen Troja. Er entriß den Feinden die Leiche des Patroklos, ließ sich im hölzernen Pferd einschließen, erschlug bei der Eroberung Trojas Deiphobos. Nach der Versöhnung mit Helene auf der Heimfahrt von Troja vom Sturm nach Ägypten verschlagen, kehrte er erst sieben Jahre später nach Sparta zurück. Sein einziges Kind von Helene ist Hermione. Menelaos wurde zu göttlicher Unsterblichkeit auf die Insel der Seligen (Elysium) entrückt.

Laomedon

Laomedon ist Sohn des Ilos und Vater von Hesione, Priamos und Tithonos. Apollon und Poseidon bauten ihm die Mauern der Stadt Troja. Als Laomedon ihnen den Lohn vorenthielt, schickte Apollon die Pest und Poseidon ein Meeresungeheuer, dem Hesione preisgegeben werden sollte.

Penelope

Penelope ist in der griechischen Sage die schöne getreue Gattin des Odysseus, die 20 Jahre auf dessen Heimkehr wartete, Mutter des Telemachos. Sie hielt die sie bedrängenden Freier durch den Vorwand hin, sie wolle vor ihrer Wiederverheiratung erst das Leichentuch für ihren Schwiegervater Laertes fertigweben. Nachts trennte sie jedoch das am Tage gewebte wieder auf, bis sie von den Mägden verraten wurde. Schließlich erklärte sie sich bereit, den zu heiraten, der des Odysseus Bogen spannen könne. Dies gelang nur dem unerkannt als Bettler heimkehrenden Odysseus. Nach dem Tode des Odysseus wurde sie die Frau des Telegonos und erhielt von Kirke die Unsterblichkeit. Penelope wurde zum Vorbild der treuen klugen Ehefrau.

Perseus

Perseus ist Sohn von Zeus und Danaë. Da ein Orakel seinem Großvater Akrisios weissagte, er werde von der Hand eines Enkels sterben, sperrte Akrisios seine Tochter Danaë in ein unterirdisches Gemach. Dort nährte Zeus sich ihr aber in Gestalt eines durch das Dach tröpfelnden Goldregens. So gebar Danaë Perseus. Als Akrisios davon erfuhr, ließ er Danaë und Perseus in einem Kasten auf dem Meer aussetzen. Die beiden trieben bei der Insel Seriphos an Land und wurden dort von Diktys gerettet.
Polydektes, König der Insel Seriphos, verliebte sich in Danaë und versuchte den Perseus zu beseitigen, indem er ihn beauftragte, das Haupt der Medusa zu erbeuten, deren versteinernder Blick ihn töten sollte. Mit Hilfe von Athena, Hermes und den Graien gelang es Perseus von den Nymphen Tarnkappe, Ranzen und Flügelschuhe zu erhalten. Er enthauptete Medusa. Dabei bediente er sich um ihren versteinernden Blick zu vermeiden eines Spiegels. Als Perseus Medusa enthauptete entsprangen aus ihrem Rumpf Pegasos und Chrysaor.

Meleagros

Meleagros, Sohn des Oineus und der Althaia, war ein Held der Kalydonischen Jagd und einer der Argonauten. Das Fell des Kalydonischen Ebers schenkte er als Siegestrophäe der an der Jagd beteiligten, von ihm geliebten Atalante. In einem deshalb entbrennenden Streit erschlug Meleagros die Brüder seiner Mutter. Zur Rache verbrannte diese das Holzscheit, an dessen Unversehrtheit sein Leben hing.




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Die Engel

mit Bezeichnungen ihrer Aufgaben oder Wesenheit

Aggelos -angelus Engel, Bote isaggelos-isangelos engelgleich

Im Alten Testament heben sich zwei Engelvorstellungen deutlich voneinander ab:
a:) Es ist die Rede von Engeln (aggeloi) als himmlischen Wesen, die zum Hofstaat Jahwes gehören (Jiob 1,10 [Gottessöhne]), um ihm zu dienen und ihn zu preisen (vgl. Jes 6,2f). Sie spielten in den älteren Schriften des AT jedoch keine besondere Rolle. Religionsgeschichtlich kommt diese Engel-Vorstellung aus der Umwelt Israels. Dabei blieb Jahwe aber die einzige schöpferische Kraft in Natur und Geschichte, weshalb die Engel nie autonom wurden und keinen Kult genossen. Zu dem Hofstaat Jahwe, werden aber auch (häufig in den jüngeren nachexilischen Schriften) andere himmlische Gestalten gerechnet, die nicht immer ausdrücklich als Engel bezeichnet werden, wie z.B. die »Heiligen«, die »Starken«, die »Helden«, die»Gottessöhne« (was besser mit »Himmelswesen« übersetzt würde). Sie treten z.T. kriegerisch auf (Gen 32,1f [Engel]; Jos 5,1ff [Herr] u. ö.). Sie sind Zeugen der Schöpfung (Jiob 38,7 [Gottessöhne]), aber als Geschöpfe nicht makellos (Jiob 4,18 [Engel]; 15,15 [Heilige]); dennoch können sie Offenbarungsmittler sein (Sach 1,9.1ff [Engel]; 2,2ff [Engel]; Ez 40,3 [Mann]). Erwähnt werden Unheilsengel (Ps 78,49 [Boten]), Würgeengel (Ex 12,23 [Herr]), Todesengel (Jiob 33,22 [Engel]; Spr 16,14 [Todesboten]; Ps 78,49 [Unheilsboten]; 9I,11 [Engel]; 103,20 [Engel]).

Besondere Engel sind die Cherube, geflügelte Mischwesen von Mensch und Tier (Gen 3,24; Ez 1; 10,19; 11,22; Ps 18,11), und die Seraphim, die sechs Flügel haben (Jes 6,2).

Dass nach dem Exil der Glaube an Engelwesen stark zunahm, ist wohl darauf zurückzuführen, dass Israel stärker mit anderen Religionen in Berührung kam und Jahwes Wesen mehr und mehr transzendent aufgefasst wurde, ohne dass aber sein Wirken in der Welt geschmälert werden durfte; vermutlich wird das ein wesentlicher Grund zu so starker Ausprägung von Mittelwesen gewesen sein (vgl. Jiob 5,1 [Heiligen]; 15,15 [Heiligen]; Ps 89,6.8 [Heilige]; Sach 14,5 [Heiligen]). Bei Daniel wirken sie als gewaltige Zwischenmächte, die auch Namen tragen; es gibt Erzengel, Wächterengel und Völkerengel, andere Hunderttausende stehen um Gottes Thron (Dan 4,10.14 [Wächter]; 7,10 [Hunderttausende vor Gottes Thron]; 8,16 [Gabriel]; 9,21 [Gabriel]; 10,5f [Mann mit feinstem Linnen gekleidet, der Botschaft gibt]; 12,1 [Michael]).[...]


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